Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ist wahrscheinlich deutlich größer und weiter fortgeschritten als offizielle Zahlen zeigen. Davor warnt International Rescue Committee (IRC) angesichts einer verzögerten Erkennung und eines gefährlich niedrigen Contact-Tracing-Niveaus von lediglich 20 Prozent.

Rachel Howard, Senior Technical Emergency Health Advisor bei IRC, erklärt: 

„Das wahre Ausmaß dieses Ebola-Ausbruchs ist wahrscheinlich weit schlimmer als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Aufgrund von Lücken im Überwachungssystem bleiben vier von fünf Kontakte unerkannt – das macht es extrem schwierig, Übertragungsketten zu unterbrechen und das tatsächliche Ausmaß zu verstehen. Deshalb befürchten wir eine Ausbreitung auf Nachbarländer wie Burundi oder Südsudan."

Das Virus könnte sich bereits vor März unkontrolliert verbreitet haben – möglicherweise bis zu drei Monate vor der Identifizierung des ersten offiziellen Falls. Dadurch konnten sich mehrere Übertragungsketten in verschiedenen Gemeinden und Provinzen etablieren. Diese beiden Faktoren zusammen erhöhen die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen weit über den gemeldeten Werten liegt.

Engpässe bei Diagnosekartuschen und Rückstände bei Tests verzögern die Fallbestätigung und verschleiern die tatsächliche Ausbreitung weiter. Sieben bestätigte Ebola-Patient*innen haben Behandlungszentren offenbar verlassen. Mehr als sechs Gesundheitsfachkräfte sind gestorben, darunter zwei Ärzt*innen in den letzten Tagen.

Der aktuelle Ausbruch weist zunehmend Ähnlichkeiten mit der Ebola-Krise in Nord-Kivu von 2018 bis 2020 auf, bei der Tausende Menschen infiziert wurden. Erschwerend kamen damals Unsicherheit, Bevölkerungsbewegungen und Widerstand in der Bevölkerung hinzu. Anders als bei früheren Ausbrüchen gibt es für den aktuellen Ebola-Stamm derzeit keinen zugelassenen Impfstoff.

Menschen meiden Gesundheitseinrichtungen, die Übertragung breitet sich in mehreren Regionen aus und das Vertrauen in die Reaktion auf den Ausbruch schwindet. Der Aufbau von Vertrauen in betroffenen Gemeinden ist daher entscheidend und sollte sofortige Priorität der internationalen Reaktion sein. Zudem fordert IRC sofortige internationale Unterstützung zur Ausweitung von Contact Tracing, Überwachung, Labortests, Behandlungskapazitäten und Gemeindearbeit. Ohne dringend benötigte Hilfsmittel droht eine rasche Verschlechterung der Lage. 

IRC in der Region

Als Reaktion auf den Ausbruch hat IRC in enger Abstimmung mit den staatlichen Gesundheitsbehörden in der DRK Präventions- und Kontrollmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehören die Verteilung persönlicher Schutzausrüstung, Aufklärungsarbeit in gefährdeten Gemeinden sowie die Renovierung von Triagezonen und sanitären Einrichtungen. In Uganda unterstützt IRC das Gesundheitsministerium an der Grenze mit Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle, einschließlich Screening an Grenzübergängen.