Mit der Ausbreitung des Konflikts auf Teile des Staates Al-Jazirah sind weitere Menschenleben in Gefahr

  • Der jüngste Konflikt in Wad Madani, Sudan hat humanitäre Organisationen, einschließlich International Rescue Committee (IRC), gezwungen, ihre Mitarbeitenden aufgrund von Sicherheitsbedenken zu versetzen.
  • Im Konflikt zwischen RSF- und SAF-Truppen wurden schwere Artillerie eingesetzt und Luftangriffe durchgeführt. Das Dorf Abu Guta wurde eingenommen und es kam zu zahlreichen weiteren Zusammenstößen in anderen Gebieten. Diese Auseinandersetzungen bedrohen Millionen von Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind und löst neue Flüchtlingsbewegungen aus.
  • IRC appelliert erneut, die Kampfhandlungen einzustellen und den Zugang für humanitäre Hilfe zu ermöglichen.
Erfahre mehr in unserer Pressemitteilung vom 28. Februar

Überblick

Sudan ist mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehören eine Wirtschaftskrise, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte, die Menschen innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben haben. Die Inflation hat die Lebensmittelpreise im Sudan hochgetrieben und viele lebenswichtige Güter für die meisten Menschen unzugänglich gemacht.  

Was hat die Krise in Sudan ausgelöst? 

Zwei Bürgerkriege, die schon seit Jahrzehnten andauern — der Anyanya-Aufstand und der zweite Sudanesische Bürgerkrieg — verursachten Vertreibungen, Unruhen und Todesfälle. Wegen der anhaltenden prekären Lage sind auch heute noch viele Sudanes*innen vertrieben: Konflikte in Darfur, Süd-Kordofan und Blue Nile dauern weiter an. Es ist schwierig, die betroffenen Menschen mit humanitärer Hilfe zu versorgen. Zusätzlich hat der Konflikt in der benachbarten äthiopischen Region Tigray dazu geführt, dass 60.000 Geflüchtete in Ostsudan Schutz suchen. 

Extreme Wetterbedingungen wie Dürre und Überschwemmungen haben die Lebensgrundlagen vieler Menschen zerstör. Immer mehr sind dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die meisten Sudanes*innen leben in ländlichen Gebieten und sind auf Regen angewiesen, um ihre Ernte und Nutztiere zu versorgen. Heuschreckenschwärme sind über das Ackerland hergefallen, haben die Ernten vernichtet und zu den steigenden Lebensmittelpreisen beigetragen. 

Mit den wachsenden Folgen des Klimawandels verschlimmert sich auch die politische und  wirtschaftliche Krise im Sudan. Die COVID-19-Pandemie verstärkt zusätzlich die humanitären Bedürfnisse des Landes.   

Was sind die größten humanitären Herausforderungen in Sudan?

Schätzungsweise 13,5 Millionen Menschen sind in Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 1,1 Millionen Geflüchtete aus anderen Ländern und 2,5 Millionen Sudanes*innen, die innerhalb des Landes vertrieben wurden. 

Die Ernährungsunsicherheit ist nach wie vor groß, insbesondere bei Geflüchteten, Binnenvertriebenen und einkommensschwachen Haushalten in den Städten. Aufgrund der Wirtschaftskrise und Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, die Ernten zerstört und Familien vertrieben haben, können sich mehr als sieben Millionen Menschen nicht ausreichend ernähren. 2020 stieg die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr um 214 % an und reduzierte somit zusätzlich die Kaufkraft von Privathaushalten. 

Die COVID-19-Pandemie und Ausbrüche anderer Krankheiten wie Polio belasten das sudanesische Gesundheitssystem, während gleichzeitig Zehntausende Schutzsuchende aus Äthiopien in das Land kommen.

Wie hilft IRC in Sudan?

Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf hat IRC die Hilfsleistungen in Sudan aufgestockt und die humanitären Dienste im Osten des Landes als Reaktion auf die Flüchtlingskrise in Tigray erweitert. Dazu gehören: 

  • Einrichtung eines Hauptbüros in Khartum, um die von Konflikt und Hunger betroffene Mayo-Gemeinde mit humanitärer Hilfe zu versorgen,
  • Bereitstellung von Gesundheits-, Wasser- und Sanitärdiensten sowie von Schutzmaßnahmen in Khartum, um die Binnenvertriebenen in den Städten zu versorgen,
  • Eröffnung einer Niederlassung in Gedaref , um die tigrayischen Geflüchteten in Ostsudan zu unterstützen,
  • Psychosoziale Betreuungen für Frauen und Kinder im Flüchtlingslager Tunaydbah,
  • Bau und Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen, Bereitstellung reproduktiver Gesundheitsfürsorge, COVID-19-Isolierung und -Behandlung sowie die Prävention und Behandlung von anderen übertragbaren Krankheiten,
  • Sensibilisierung der Bevölkerung für die Gesundheitsdienste und die Wasser- und Sanitäreinrichtungen,
  • Unterstützung der Polio-Kampagnen des Gesundheitsministeriums,
  • Überwachung von COVID-19-Fällen und Sensibilisierung der Öffentlichkeit zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus 
Welche weiteren Maßnahmen plant IRC in Sudan?

Wegen der steigenden Zahl der Menschen, die in Sudan humanitäre Hilfe benötigen, und den Zuwachs weiterer Schutzsuchenden aus Äthiopien wird IRC die derzeitigen Hilfsmaßnahmen aufstocken und neue Dienste einführen. Dazu gehört beispielsweise die verstärkte Unterstützung von Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. In Zukunft soll die Unterstützung auch auf andere Regionen im Land ausgeweitet werden.