Schwere humanitäre Krise in Südsudan
- Das Land läuft Gefahr, erneut in einen Bürgerkrieg abzurutschen.
- Die Auswirkungen des Bürgerkriegs in Sudan drohen, die Grenzregionen und die Wirtschaft Südsudans zu destabilisieren.
- Das fragile Ernährungssystem des Landes droht zusammenzubrechen.
- Für Südsudan werden stärkere Regenfälle erwartet, die zu Überschwemmungen und Krankheitsausbrüchen führen könnten.
Länder-Fakten
- Bevölkerung: 11,9 Millionen
- Menschen, die auf humanitäre Unterstützung angewiesen sind: 10 Millionen
- Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit: 7,6 Millionen
- Binnenvertriebene: 2 Millionen
- Position im Index der menschlichen Entwicklung: 193 von 193
IRC vor Ort
- Beginn der Aktivitäten: 1989
- Versorgte Menschen: etwa 1,7 Millionen im Jahr 2024
In Südsudan sind Millionen Menschen von Konflikten, Klimakrisen und Ernährungsunsicherheit betroffen. IRC unterstützt besonders gefährdete Gemeinden mit lebenswichtiger humanitärer Hilfe.
Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg spaltete sich der Süden des Sudan 2011 ab und wurde zum unabhängigen Staat Südsudan. Auf zwei Jahre fragilen Friedens folgten 2013 erneut gewaltsame Auseinandersetzungen infolge politischer Rivalitäten. Schätzungsweise 380.000 Menschen kamen dabei ums Leben und 2 Millionen wurden vertrieben. Weitere 2,2 Millionen Menschen flohen in die Nachbarländer.
Das im Oktober 2018 geschlossene Friedensabkommen ist weiterhin fragil. Selbst wenn es Bestand hat, ist mit lokalen Konflikten zu rechnen. Die politischen Spannungen bleiben hoch, während sich das Land auf die für Dezember 2026 geplanten ersten Wahlen seit seiner Unabhängigkeit vorbereitet.
Jahrelange Überschwemmungen und die anhaltende Ankunft von Geflüchteten, die vor dem Konflikt im Sudan fliehen, verschärfen den humanitären Bedarf. Die wirtschaftliche Krise und die Auswirkungen des Kriegs in Sudan treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe und verschärfen die Ernährungsunsicherheit. 2026 werden voraussichtlich 7,6 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein.
Der humanitäre Bedarf in Südsudan ist enorm: 10 Millionen Menschen und damit 84 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Unterstützung angewiesen.
Die schwere Wirtschaftskrise, Konflikte und ein überlastetes Gesundheitssystem verschärfen Hunger und Mangelernährung. Mehr als 1,9 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben. Wiederkehrende schwere Überschwemmungen zerstören Ernten und Lebensgrundlagen und verschärfen die ohnehin schwierige Lage zusätzlich.
Frauen und Mädchen sind von der Krise in Südsudan besonders betroffen. Viele sind täglich der Gefahr von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. Gleichzeitig ist der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung im ganzen Land eingeschränkt. Das beeinträchtigt das Wohlergehen sowie die Bildungs- und Einkommenschancen von Frauen und Mädchen.
Auch Kinder leiden besonders unter den Konflikten und der schwierigen Lage in Südsudan. Sie sind von Gewalt, der Rekrutierung durch bewaffnete Kräfte und Vertreibung betroffen und haben häufig keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Nahrung und Gesundheitsversorgung.
Auch der eingeschränkte Zugang zu Menschen in Not erschwert die humanitäre Hilfe. Bürokratische Hürden und die instabile Lage behindern Hilfseinsätze im Land immer wieder.
Konflikte und Katastrophen bedrohen das Leben und die Lebensgrundlagen vieler Menschen. IRC unterstützt sie dabei, zu überleben, sich zu erholen und ihre Zukunft selbst zu gestalten.
Seit 37 Jahren gehört IRC zu den größten humanitären Hilfsorganisationen im südlichen Sudan. Während jahrzehntelanger Konflikte leistete IRC Nothilfe und unterstützte besonders gefährdete Menschen auch in schwer erreichbaren Gebieten. IRC unterstützt zunehmend gefährdete Binnenvertriebene, Geflüchtete, Rückkehrende und aufnehmende Gemeinden unter anderem in den Bereichen medizinische Grundversorgung und reproduktive Gesundheit, Ernährung, Umwelthygiene, Schutz sowie wirtschaftliche Erholung und Resilienz.
IRC arbeitet in Südsudan mit nationalen und regionalen Behörden sowie lokalen Partner*innen zusammen, um die Gesundheitssysteme zu stärken und langfristige Lösungen für vertriebene Menschen zu schaffen.
IRC ist in Central Equatoria, Northern Bahr el Ghazal, Unity einschließlich der Ruweng Administrative Area, Upper Nile und Lakes tätig. Dazu gehören:
- Ausbau der Kapazitäten staatlicher Gesundheitseinrichtungen und Schulung lokaler Gesundheitsfachkräfte in medizinischer Grundversorgung und reproduktiver Gesundheit;
- Verknüpfung von Angeboten zur psychischen sowie sexuellen und reproduktiven Gesundheit mit der allgemeinen Gesundheitsversorgung;
- umfassende medizinische, psychosoziale und rechtliche Unterstützung für Überlebende sexualisierter Gewalt;
- Beratung und Begleitung von Akteur*innen in den Bereichen Regierungsführung, Friedensförderung und Konfliktprävention, um Ursachen von Konflikten entgegenzuwirken;
- Ernährungsangebote sowie Instandsetzung von Brunnen und Verbesserung der Sanitärversorgung, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern;
- Nothilfe sowie Berufs- und Existenzsicherungstrainings für südsudanesische Geflüchtete, die in ihr Land zurückkehren;
- Unterstützung besonders gefährdeter Kinder und Jugendlicher, die von Konflikten und anderen Krisen betroffen sind, durch Bildungsangebote und psychosoziale Unterstützung sowie die Förderung einer fürsorglichen Betreuung durch ihre Bezugspersonen;
- Unterstützung von Menschen und Gemeinden beim Umgang mit den Folgen von Klimakrisen und Naturkatastrophen durch klimaangepasste Programme und die Stärkung ihrer Klimaresilienz.