In Nigeria sind die Treibstoffpreise um fast 50 Prozent gestiegen. Lebenswichtige Gesundheitsdienste sind gefährdet: Kliniken haben Schwierigkeiten, wichtige Geräte mit Strom zu versorgen und mobile Gesundheitsteams müssen ihre Einsätze einschränken.
Uganda: Steigende Treibstoff- und Transportkosten behindern Hilfslieferungen und treiben die Inflation an. Die Lebensmittelpreise für von Armut betroffene Haushalte steigen drastisch an.
Sudan: Arzneimittel im Wert von über 112.000 Euro für das IRC-Programm in Sudan sitzen derzeit aufgrund von Transportunterbrechungen in Dubai fest. Damit könnten etwa 20.000 Menschen versorgt werden.
Äthiopien: Treibstoffknappheit und steigende Kosten zwingen IRC zu Einschränkungen bei den Einsätzen vor Ort, verzögern den Transport von Hilfsgütern und gefährden Umsetzungsfristen, wodurch Hilfslieferungen eingeschränkt werden könnten.
Somalia: 668 Kartons mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung (im Wert von knapp 30.000 Euro) sitzen derzeit in Indien fest. Damit könnten über 1.000 schwer unterernährte Kinder in IRC-Kliniken in Somalia versorgt werden.
Demokratische Republik Kongo (DRK): Verringerte Mobilität, erhöhte Logistikkosten und verzögerte Hilfslieferungen wirken sich auf die Gesundheitsversorgung und die Kontinuität der IRC-Programmarbeit aus.
Berlin, 1. April 2026 — International Rescue Committee (IRC) warnt: Der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus könnten humanitäre Einsätze an ihre Grenzen bringen, sollte die Krise andauern. Steigende Treibstoffpreise, Verzögerungen in Lieferketten und steigende Kosten beeinträchtigen zunehmend die lebenswichtige Programmarbeit in den von der Krise betroffenen Ländern – eine zusätzliche Belastung des bereits angespannten humanitären Systems, nachdem im vergangenen Jahr weltweit humanitäre Budgets erheblich gekürzt wurden. Diese neuen Entwicklungen verstärken den Druck auf die IRC-Programmarbeit und den gesamten Sektor.
Es zeichnet sich eine logistische Krise ab, die zu einer rapide eskalierenden humanitären Bedrohung wird. Treibstoff ist eine zentrale Grundlage für humanitärer Hilfe. Damit werden Krankenhäuser mit Energie versorgt, Impfstoffe kühl gehalten und Einsätze von Krankenwägen ermöglicht. Durch mobile Teams können Gemeinden erreicht werden, die durch bewaffnete Konflikte und Krisen abgeschnitten sind – insbesondere in Gebieten mit unzuverlässiger Stromversorgung. Angesichts steigender Preise und knapper werdender Vorräte beginnen diese Systeme zu versagen.
Bob Kitchen, IRC-Vizepräsident für Notfalleinsätze, kommentiert:
„So wird aus einer globalen Krise eine humanitäre Krise. Treibstoffknappheit und Lieferverzögerungen bleiben nicht auf einzelne Bereiche beschränkt – sie breiten sich aus, führen zur Einstellung von Dienstleistungen, treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe und schränken den Zugang zu medizinischer Versorgung ein.”
„Wir sehen bereits die Folgen. Kliniken fahren ihren Betrieb zurück. Hilfsangeboten werden reduziert. Die Kosten steigen schneller, als die Budgets mithalten können. Ohne die Wiederherstellung der Lieferketten oder zusätzliche finanzielle Mittel zur Bewältigung der steigenden Kosten werden mehr Menschen von überlebenswichtiger Hilfe abgeschnitten.“
Kenia ist mit einer akuten Treibstoffknappheit konfrontiert, die bereits zu Rationierungen geführt hat. Die Folgen sind in Orten wie den Geflüchtetenlagern Kakuma oder Dadaab unmittelbar und gravierend. Im Geflüchtetenlager Kakuma leben über 200.000 Menschen. Als größter Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen in Kakuma beobachtet IRC, dass die eingeschränkte Dieselversorgung den Betrieb lebenswichtiger medizinischer Geräte beeinträchtigt, darunter Sauerstoff- und Impfstoff-Kühlketten. Gleichzeitig sind Überweisungen per Krankenwagen sowie Notfalldienste wie Operationen und die Versorgung von Schwangeren eingeschränkt. Auch Wasserversorgungssysteme, die auf treibstoffbetriebene Bohrbrunnen angewiesen sind, sind gefährdet. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsausbrüchen. Da der Zugang zu medizinischer Versorgung und sauberem Wasser eingeschränkt ist, werden Erkrankungen, die normalerweise behandelbar wären, lebensbedrohlich.
Somalia ist bereits seit Jahren von bewaffneten Konflikten und Klimakatastrophen wie wiederholten Dürren und Überschwemmungen, die zu weit verbreiteter Unterernährung geführt haben, betroffen. Nun stehen IRC-Teams vor einer weiteren Herausforderung: Wichtige Hilfsgüter wie gebrauchsfertige therapeutische Fertignahrung (RUTF) sitzen in Indien fest und verzögern lebenswichtige Behandlungen für Kinder. In Gebieten wie Galmadug, die stark von Unterernährung betroffen sind, sind die Betriebskosten von IRC um bis zu 30 Prozent gestiegen, was zu Verzögerungen beim Transport von Hilfsgütern führt und die Präsenz von IRC vor Ort einschränkt.
In Nigeria droht IRC-Kliniken eine Einschränkung ihrer Leistungen, da der Betrieb der Generatoren zu kostspielig wird, um sie kontinuierlich zu betreiben. Mobile Gesundheitsteams reduzieren bereits ihre Einsatzgebiete, wodurch vulnerable Gemeinden keinen Zugang mehr zu medizinischer Versorgung haben. Weltweit, unter anderem in Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und Kenia, zwingen steigende Transportkosten humanitäre Organisationen dazu, ihre ohnehin schon knappen Budgets zu strapazieren – das verlangsamt Einsätze und schränkt ihre Reichweite ein.
Die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und im Roten Meer zwingen Schiffe dazu, Umwege um das Kap der Guten Hoffnung zu fahren, was die Lieferzeiten um Wochen verlängert und die Kosten in die Höhe treibt. Lebenswichtige Lieferungen, von Medikamenten bis hin zu Nahrungsmittelhilfe, verzögern sich. Einige Sendungen sitzen auf halbem Weg fest. Derzeit stecken pharmazeutische Hilfsgüter von IRC im Wert von über 112.000 Euro in Dubai fest. Damit könnten bis zu 20.000 Menschen in Sudan versorgt werden – dort hat der humanitäre Bedarf bereits vor dem Irankrieg katastrophale Ausmaße angenommen.
Die schwerwiegendsten Folgen werden die Menschen spüren, die bereits von bewaffneten Konflikten, Katastrophen und Vertreibung betroffen sind. Starke Anstiege der Treibstoffpreise treiben die Kosten für Lebensmittel und Grundgüter in die Höhe. Gleichzeitig bedrohen steigende Düngemittelpreise die nächste Anbausaison in mehreren Regionen. Für ohnehin von Armut betroffene Familien bedeutet das, dass sie weniger zu essen haben, weniger verdienen und noch weniger Möglichkeiten haben, um zurechtzukommen.
Sollte sich diese Situation fortsetzen, werden sich die Auswirkungen rasch ausweiten: weniger Hilfsangebote, höhere Lebensmittelpreise, sinkende Einkommen und zunehmende Ernährungsunsicherheit. Was als Störung der Treibstoff- und Schifffahrtsversorgung beginnt, droht zu einer umfassenden Verschlechterung der humanitären Lage weltweit zu werden.
Der Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung der humanitären Hilfe muss gewährleistet werden. IRC appelliert:
- Achtung des humanitären Völkerrechts: Bis zu einer Waffenruhe sollten alle Konfliktparteien Zivilist*innen sowie zivile Infrastruktur konsequent schützen.
- Priorisierung und Umsetzung von Auslandsfinanzierung: Flexible Mittel sind entscheidend, um Notfallmaßnahmen auszuweiten, Gesundheits- und Schutzangebote zu stärken und Bargeldhilfen sowie grundlegende Güter für vertriebene Familien bereitzustellen.