Aufgrund des globalen Temperaturanstiegs gibt es weltweit immer häufiger Dürreperioden, die gravierende Auswirkungen haben und zu Ernteausfällen, Hungersnöten und Unterernährung führen.

In Ostafrika beispielsweise herrscht die schlimmste Dürre seit Jahren, von der 40 Millionen Menschen betroffen sind. Viele sind aufgrund der Auswirkungen der Trockenheit auf die Nahrungsmittelversorgung von Hungersnot und Unterernährung bedroht.

Hier erfährst du mehr über Dürre, was diese verursacht und die Maßnahmen, die IRC in Ostafrika durchführt.

Was ist Dürre?  

Eine Dürre wird durch einen Mangel an Niederschlägen verursacht, der zu einer ernsthaften Wasserknappheit führt. Sie kann sogar tödlich sein.

Genauer gesagt wird Dürre durch eine Periode ungewöhnlich trockenen Wetters definiert, verursacht durch geringe Niederschläge und hohe Temperaturen. Sie wird auch in Bezug auf ihre Auswirkungen auf  die Landwirtschaft definiert, wenn Ernten aufgrund von Feuchtigkeitsmangel im Boden ausfällt, was zu Nahrungsmittelknappheit und schwerwiegenden Folgen für den Menschen wie Hungersnöten in schweren Fällen führt.

Im Gegensatz zu anderen extremen Wetterereignissen, die plötzlicher auftreten, wie Erdbeben oder Wirbelstürme, treten Dürren nach und nach auf. Doch sie können genauso tödlich sein wie andere Wettergefahren - wenn nicht sogar noch tödlicher. In den letzten 40 Jahren waren mehr Menschen von Dürren betroffen als von jeder anderen Naturkatastrophe.

Die Schwere der Dürre verschlimmert sich im Laufe der Zeit. Wenn sie eintritt, kann eine Dürre Wochen, Monate oder Jahre andauern - manchmal halten die Auswirkungen sogar Jahrzehnte an.

Was verursacht Dürre? 

Dürren können durch natürliche Ursachen wie Wetterbedingungen ausgelöst werden. Doch zunehmend werden sie durch menschliche Aktivitäten verursacht.

Eine von der Dürre heimgesuchte Notunterkunft für Vertriebene in Konso, Äthiopien
Eine von der Dürre heimgesuchte Notunterkunft für Vertriebene in Konso, Äthiopien. Mit dem globalen Temperaturanstieg werden Dürren immer häufiger.
Foto: Fahmo Mohammed/IRC

Ursachen von Dürren durch menschliches Handeln

Klimawandel: Die globale Erwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen. Sie kann Orte trockener machen, indem sie die Verdunstung steigert. Wenn das Land so trocken wird, bildet sich eine undurchlässige Kruste, sodass bei Regen das Wasser von der Oberfläche abläuft, was manchmal zu plötzlichen Überschwemmungen führen kann.

Abholzung: Pflanzen und Bäume speichern Wasser und geben es in die Atmosphäre ab, was Wolken und anschließend Regen entstehen lässt. Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen Abholzung und Trockenheit festgestellt. 

Landwirtschaft: Intensive Landwirtschaft trägt in erster Linie zur Abholzung bei, kann aber auch die Aufnahmefähigkeit des Bodens beeinträchtigen, so dass er viel schneller austrocknet.

Hoher Wasserverbrauch: Es gibt mehrere Gründe, warum die Wassernachfrage das Angebot übersteigen kann, einschließlich intensiver Landwirtschaft und Bevölkerungsanstieg. Auch ein hoher Wasserbedarf flussaufwärts (für Dämme oder Bewässerung) kann in unteren, flussabwärts gelegenen Gebieten zu Trockenheit führen.

Andere natürliche Ursachen von Dürren

Veränderungen der Meerestemperaturen: El Niño und La Niña sind Klimamuster, die in einigen Teilen der Welt Trockenheit verursachen können. El Niño ist durch überdurchschnittlich warme Meerestemperaturen im Pazifik gekennzeichnet, was zu Dürren im Südwesten der Vereinigten Staaten und im südlichen Afrika führen kann. La Niña hingegen ist durch unterdurchschnittliche kühle Temperaturen im Pazifik gekennzeichnet, die in Australien und Indonesien zu Trockenheit führen kann.

Der Jetstream: Der Jetstream ist ein Band aus starken Winden, das sich hoch in der Atmosphäre bewegt. Veränderungen im Jetstream können in einigen Gebieten Dürren verursachen, indem sie trockene Luft aus anderen Teilen der Welt heranführen.

Wie werden Menschen von der Dürre betroffen?

Risiko einer Hungersnot

Dürre verursacht Ernährungsunsicherheit, wenn Ernten ausfallen. Wenn ein bedeutender Teil der Bevölkerung keinen Zugang mehr zu Nahrungsmitteln hat, spricht man von einer Hungersnot, die in der betroffenen Region zu akuter Unterernährung, Krankheiten und Todesfällen führt.

Ostafrika erlebt derzeit eine weit verbreitete Nahrungsmittelknappheit und eine beinahe Hungersnot, bei der Millionen von Kindern unter 5 Jahren an schwerer akuter Unterernährung erkrankt sind.

Der zweijährige Kaliba wird in Kenia auf Unterernährung untersucht
Lokiyoto beobachtet ihren zweijährigen Sohn Kaliba, als er in Turkana, Kenia, auf Unterernährung untersucht wird. Sie hat bereits zwei Kinder aufgrund von Nahrungsmittelknappheit infolge der Dürre verloren. „Es macht mich traurig, wenn meine Kinder krank sind. Aber in letzter Zeit geht es ihnen besser, was mich glücklich macht."
Foto: Patrick Meinhardt/IRC

Unterernährung

Ein Mangel an nahrhaften Lebensmitteln aufgrund von Nahrungsmittelknappheit führt zu akuter Mangelernährung. Kinder, die von Unterernährung betroffen sind, stellen eine hohe Risikogruppe dar. Ihnen fehlen essentielle Vitamine und Mineralstoffe, die für ihr gesundes Wachstum notwendig sind. Dadurch sind sie anfälliger für Krankheiten, schwere Entwicklungsverzögerungen und sogar den Tod.

Es gibt zwar effektive Behandlungsmöglichkeiten für Kinder, die an Unterernährung erkrankt sind, doch oft erreichen sie nicht diejenigen, die sie am dringendsten benötigen. IRC hat ein vereinfachtes Verfahren zur Behandlung von Unterernährung entwickelt, um mehr Kinder mit geringeren Kosten zu erreichen.

Zunahme von Krankheiten

Dürre beeinträchtigt den lebenswichtigen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dies kann dazu führen, dass Menschen verunreinigtes Wasser trinken, was den Ausbruch von Krankheiten wie Cholera und Typhus verursacht. Diese Krankheiten können sich auch an Orten mit schlechter sanitärer Versorgung ausbreiten, was eine weitere Nebenwirkung des fehlenden sauberen Wassers ist.

Dürre kann Waldbrände verursachen

Trockene Bedingungen können Waldbrände verursachen, die die verbleibende Vegetation verbrennen und Häuser gefährden. Die Brände können auch die Luftqualität beeinträchtigen und chronische Lungenerkrankungen verschlimmern.

Menschen werden vertrieben

Die Menschen müssen weiter reisen, um sauberes Wasser zu finden. Dies liegt oft in der Verantwortung von Frauen und Kindern, die andere Arbeiten und die Schule vernachlässigen müssen, um diese äußerst körperliche Aufgabe zu bewältigen.

Ohne Zugang zu sauberem Wasser oder Nahrungsmitteln müssen viele ihre Häuser dauerhaft verlassen, um zu überleben. Die Weltgesundheitsorganisation gibt an, dass „40 % der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen sind und bis zum Jahr 2030 besteht für 700 Millionen Menschen die Gefahr, dass sie aufgrund von Dürre vertrieben werden könnten."

Weitere Informationen: Lerne Menschen kennen, die in Somalia durch Dürre vertrieben wurden.

Studien belegen auch, dass Dürren bestehende Konflikte verschärfen. Die anhaltende Auswanderung von Menschen aus Dürre- und Hungergebieten kann zu verstärkten politischen Spannungen und Konflikten führen, weil der Wettbewerb um Ressourcen zunimmt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Dürre zum Beispiel zum Konflikt in Syrien beigetragen hat.

Starkregen

Überschwemmungen können in denselben geografischen Gebieten, die von Dürre betroffen sind, ebenfalls ein Risiko darstellen.

Regen nach einer Dürre klingt wie eine gute Sache, aber nach einer langen Trockenperiode kann plötzlicher starker Regen zu gefährlichen Sturzfluten führen, wie sie in Pakistan zu beobachten waren.

Dies liegt daran, dass Dürren den Boden hart und ausgetrocknet hinterlassen, mit wenig oder keiner Pflanzenbedeckung und geringer Bodenqualität, was dazu führt, dass der Regen nicht in den Boden eindringen kann. Stattdessen fließt das Wasser in großen Mengen und mit hoher Geschwindigkeit - wie bei einem Gewitter - über den ausgetrockneten Boden.

Frauen benutzen Wasserhähne im Lager Arladi, Somalia
Halimas Familie hat ihr Vieh durch die Dürre verloren und lebt nun in einer Notunterkunft für Vertriebene. In Somalia sind inzwischen 1,4 Millionen Menschen durch die Dürre vertrieben worden.
Foto: Mustafa Saeed/IRC

In welchen Ländern herrscht eine Dürre?

Dürren können überall auf der Welt auftreten. Allerdings variieren die Auswirkungen von Dürren je nach Region.

Am stärksten gefährdet sind Gebiete mit Hochdruckwettersystemen, die bereits anfällig für Wüstenbildung sind. Entwicklungsländer sind auch anfälliger für die sozioökonomischen Auswirkungen von Dürren, da ein großer Teil ihrer Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt ist.

Ostafrika

In Afrika stellen Dürren ein hohes Risiko dar und die folgenden Länder in Ostafrika sind stark von der Dürre betroffen: 

Somalia, wo die Dürre fast zu einer Hungersnot führt

Kenia, das Land hat bereits sechs unterdurchschnittliche Regenperioden erlebt

Äthiopien, wo sechs unterdurchschnittliche Regenzeiten und eine Dürre 31 Millionen Menschen betreffen

Mehr als 40 Millionen Menschen sind von der Dürre in Ostafrika betroffen. Die Dürre, die Länder wie Somalia, Kenia und Äthiopien betrifft, begann im Oktober 2020. In diesen Regionen haben unsichere Verhältnisse, extreme Dürre und ein exponentieller Anstieg der Lebensmittelpreise Millionen Menschen an den Rand einer Hungersnot gebracht. 

„Somalia ist am stärksten von der Krise betroffen, über 200.000 Menschen sind bereits von extremem Hunger betroffen, aber die Herausforderung ist regional", sagt Abukar Mohamud, stellvertretender IRC-Programmdirektor für Somalia. „In ganz Ostafrika stehen die Menschen vor der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren."

„Die Menschen sterben nicht nur aufgrund von Nahrungsmangel. Hunger bedeutet, dass ihre geschwächten Körper Krankheiten wie Durchfall, Masern oder Malaria nicht abwehren können, was zu hohen Sterberaten führt. Kinder sind besonders gefährdet und sterben oft doppelt so häufig wie Erwachsene. Und diejenigen, die überleben, werden ein Leben lang mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Die Hungersnot von 2011 hat über 250.000 Menschen den Hungertod gebracht - die Hälfte davon waren Kinder."

Was tut IRC, um im Ostafrika zu helfen?

Ein Ernährungsberater gibt einer Mutter Plumpy-Nuss-Erdnusspaste
Lokiyoto erhält Päckchen mit angereicherter Erdnusspaste, die sie ihren Kindern in Turkana, Kenia, gibt. Die auch als Plumpy'Nut bekannte Paste ist hochwirksam bei der Behandlung von Mangelernährung.
Foto: Patrick Meinhardt/IRC

Ostafrika ist die Heimat einiger der am längsten laufenden Programme des IRC weltweit. Heute sind mehr als 2.000 IRC-Mitarbeitende in der Region damit beschäftigt, unsere Programme zu erweitern, um der aktuellen Dürre und der zunehmenden Ernährungsunsicherheit entgegenzuwirken, einschließlich der Ausweitung in neue Gebiete, um dringende Bedürfnisse zu decken.

Dazu gehören Gesundheitsprogramme, Nahrungsmittel- und Bargeldhilfe sowie die Bereitstellung von sauberem Wasser.

Ein neuer Ansatz zur Behandlung von Unterernährung

Derzeit haben 80 % der unterernährten Kinder keinen Zugang zu einer Behandlung. IRC hat einen optimierten Konzept für die Behandlung entwickelt, damit mehr Kinder Zugang zur Behandlung erhalten und gesund werden können. IRC arbeitet daran, Mittel zu beschaffen und Hindernisse zu beseitigen, damit diese Behandlung in Gebieten wie Ostafrika verteilt werden kann.

Wie kann ich helfen?

Weltweit arbeiten IRC-Mitarbeitende rund um die Uhr daran, sicherzustellen, dass Familien überleben, sich erholen und die Kontrolle über ihre Zukunft zurückgewinnen können. Spenden Sie jetzt, um unsere Arbeit zu unterstützen.