Seit dem 7. Oktober 2023 wurden in Gaza mehr als 72.000 Palästinenser*innen getötet und mehr als 173.000 verletzt. Das berichtet OCHA unter Berufung auf Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza. Israelische Streitkräfte begannen mit Luftangriffen und Bodenoperationen, nachdem Hamas und andere bewaffnete Gruppen den Süden Israels mit einer Bodenoffensive und Raketen angegriffen hatten.
Am 10. Oktober 2025 trat ein Waffenstillstand in Kraft. Er wurde jedoch wiederholt verletzt und hat die enorme humanitäre Not in Gaza bislang nicht gelindert.
Da ein Großteil der Wohngebäude in Gaza zerstört ist, leben weiterhin 1,7 Millionen Menschen an rund 1.600 Zufluchtsorten. Dort leben sie auf engem Raum und haben nur eingeschränkten Zugang zu grundlegender Versorgung. Gleichzeitig sind 1,6 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Seit im August 2025 eine Hungersnot ausgerufen wurde, konnte humanitäre Hilfe zwar erste Verbesserungen bewirken, doch die Situation bleibt prekär.
IRC und leistet gemeinsam mit Partnerorganisationen im gesamten besetzten palästinensischen Gebiet wichtige humanitäre Hilfe. Dazu gehören Gesundheits- und Ernährungprogramme, Schutz und psychosoziale Unterstützung sowie Programme zur frühkindlichen Entwicklung in Gaza und im Westjordanland.
Die humanitäre Krise in Gaza hält trotz Waffenstillstand an
Am Freitag, dem 10. Oktober 2025, trat ein Waffenstillstand in Kraft. Er wurde jedoch wiederholt verletzt und lindert die humanitäre Not in Gaza bislang nicht. Einschränkungen bei der Einfuhr von Hilfsgütern erschweren Familien den Zugang zu lebensnotwendigen Gütern. Zudem hat der Krieg große Teile der Infrastruktur in Gaza zerstört.
Eine Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Gaza bei zentralen Indikatoren der menschlichen Entwicklung um 77 Jahre zurückgeworfen wurde. Für den Wiederaufbau werden in den kommenden zehn Jahren 71,4 Milliarden US-Dollar benötigt. Derzeit sind nur etwas mehr als die Hälfte der Krankenhäuser und rund 58 Prozent der Einrichtungen für medizinische Grundversorgung noch in Betrieb und auch diese nur eingeschränkt.
Die meisten Familien mussten bereits mehrfach fliehen und kehren in Wohngebiete zurück, in denen grundlegende Dienstleistungen fehlen, Lebensmittel kaum bezahlbar und Krankenhäuser schwer beschädigt sind.
Mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren könnten 2026 von akuter Mangelernährung betroffen sein und langfristige Behandlung benötigen. Zudem sind drei von vier Familien auf Wasserlieferungen per Lkw angewiesen.
Alle Menschen in Gaza sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Die systematische Zerstörung von Infrastruktur, Märkten und grundlegender Versorgung führt dazu, dass die Zivilbevölkerung nicht die humanitäre Hilfe erhält, die ihr nach internationalem Recht zusteht.
Was muss jetzt in Gaza passieren?
Selbst wenn der Waffenstillstand hält, reicht er nicht aus, um den enormen humanitären Bedarfen in Gaza gerecht zu werden. Vier Maßnahmen sind deshalb jetzt notwendig:
- Humanitäre Hilfe schnell ausweiten: Lebensmittel, Wasser, Medikamente, Nahrungsmittel zur Behandlung von Mangelernährung sowie Unterkünfte werden dringend benötigt. Auch die grundlegende Infrastruktur für Wasser, Strom und Sanitärversorgung muss wiederhergestellt werden. Nur so können die dringendsten Bedarfe der Bevölkerung gedeckt und Menschen versorgt werden, die von der Hungersnot betroffen sind. Das gilt insbesondere für Nord-Gaza, wo die Lage besonders ernst ist.
- Grenzübergänge für humanitäre Hilfe öffnen: Nur so können dringend benötigte Hilfsgüter, die derzeit an den Grenzübergängen festgehalten werden, schnell nach Gaza gelangen, humanitäre Fachkräfte sich frei bewegen und Menschen in ganz Gaza mit lebenswichtiger Hilfe erreicht werden.
- Kampfhandlungen dauerhaft beenden: Wiederholte Verletzungen des Waffenstillstands gefährden weiterhin das Leben der Palästinenser*innen. Nur ein Ende der Kampfhandlungen kann sie schützen. Es ist außerdem Voraussetzung dafür, humanitäre Hilfe sicher, schnell und ungehindert auszuweiten und den Menschen in Gaza zu ermöglichen, ihr Leben wieder aufzubauen.
- Finanzierung humanitärer Hilfe langfristig sichern: Um auf den enormen Bedarf der Bevölkerung in Gaza zu reagieren, benötigen humanitäre Organisationen wie IRC eine verlässliche Finanzierung.
Nach zwei Jahren Krieg ist die Infrastruktur in Gaza weitgehend zerstört. Es wird Jahrzehnte kontinuierlicher Unterstützung brauchen, bis für die Menschen in Gaza wieder ein Stück Normalität möglich ist.
Warum erhalten die Menschen in Gaza nicht genug humanitäre Hilfe?
IRC warnt weiterhin davor, dass nicht genügend humanitäre Hilfe nach Gaza gelangt, um den enormen Bedarf der Bevölkerung zu decken. Zwar hat sich die Versorgung mit Hilfsgütern teilweise verbessert, doch Einschränkungen bei ihrer Einfuhr und Verteilung erschweren es weiterhin, die Menschen mit lebenswichtiger Unterstützung zu erreichen.
Die Einschränkungen führen zu einem gravierenden Mangel an Lebensmitteln, Treibstoff, Medikamenten, Ausrüstung und humanitären Helfer*innen in Gaza. Unter diesen Bedingungen können Hilfsorganisationen nicht wirksam und sicher arbeiten.
Damit das Leid der palästinensischen Bevölkerung gelindert und der Wiederaufbau Gazas beginnen kann, müssen die sichere Einreise und Bewegungsfreiheit humanitärer Helfer*innen sowie der Transport von Hilfsgütern gewährleistet sein. Dafür müssen alle Grenzübergänge geöffnet und humanitäre Hilfe in großem Umfang ermöglicht werden. Außerdem braucht es eine verlässliche Finanzierung und dauerhaften Frieden.
Wie hilft IRC den Menschen in Gaza?
Trotz großer Herausforderungen erreicht IRC auch während des Krieges Menschen in Gaza mit lebenswichtiger Hilfe. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen hat IRC seit Oktober 2023 mehr als 430.000 Menschen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Schutz sowie bei der Existenzsicherung unterstützt. IRC weitet die bestehenden Programme in Gaza weiter aus. Dazu gehören:
- Schutz: Psychologische und psychosoziale Unterstützung für Kinder und Betreuungspersonen, individuelle Begleitung gefährdeter Kinder sowie Angebote für Menschen, die geschlechtsspezifische Gewalt erlebt haben.
- Gesundheit: Angebote zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit, darunter Versorgung rund um Schwangerschaft und Geburt sowie geburtshilfliche Notfallversorgung. Hinzu kommen Untersuchungen und die Behandlung von Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei schwangeren und stillenden Frauen.
- Ernährung: Bereitstellung von Hilfsgütern für besonders gefährdete Menschen, darunter therapeutische Spezialnahrung und Mikronährstoffpräparate.
- Bargeldhilfe: Finanzielle Nothilfe, mit der Familien ihren unmittelbaren Bedarf an Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs decken können.
- Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene: Instandsetzung der Wasserinfrastruktur, Bau von Latrinen sowie Verteilung von Hygieneartikeln und Menstruationshygiene-Sets.
IRC liefert außerdem Lebensmittel und Wasser an Unterkünfte für vertriebene Palästinenser*innen, verteilt Lebensmittel und unterstützt die medizinische Notfallversorgung in den wenigen noch funktionstüchtigen Krankenhäusern.
Die Arbeit von IRC im Westjordanland
Im Westjordanland haben IRC und Partnerorganisationen Programme zur frühkindlichen Entwicklung sowie Unterstützung für von Gewalt betroffene Kinder und Familien aufgebaut. Dazu gehören psychologische und psychosoziale Unterstützung sowie Unterstützung für Überlebende von Gewalt und Missbrauch. Außerdem schult IRC Fachkräfte, die direkt mit Betroffenen arbeiten, damit sie angemessen und respektvoll auf deren Bedarfe eingehen können.
IRC unterstützt außerdem das Gesundheitsministerium dabei, Gemeinden besser auf Krisen vorzubereiten. Dazu verbessert IRC den Zugang zur Gesundheitsversorgung und schult Gesundheitspersonal darin, Gefährdungen zu erkennen, Betroffene zu unterstützen und auf Notfälle zu reagieren. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen stellt IRC sicher, dass die Maßnahmen mit nationalen Plänen abgestimmt sind, Gesundheits- und Schutzprogramme miteinander verknüpft werden und besonders bedürftige Gebiete erreicht werden.
Wie kann ich Menschen in Gaza helfen?
Trotz der Einschränkungen bei der Einfuhr von Hilfsgütern erreicht IRC weiterhin Menschen in Gaza mit lebenswichtiger Gesundheitsversorgung, Bargeldhilfe und Nothilfe. IRC ist in mehr als 40 Ländern weltweit tätig. Mit deiner Spende hilfst du uns, lebenswichtige Hilfe dort zu leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird.
IRC arbeitet aktiv mit Partnerorganisationen zusammen, um Familien in Gaza und anderen Konfliktkontexten weltweit mit dringend benötigter Nothilfe zu unterstützen. Spende jetzt, um unsere humanitäre Arbeit zu stärken.
IRC leistet in mehr als 40 Ländern humanitäre Hilfe, darunter auch in einigen der schwersten humanitären Krisen weltweit. Erfahre mehr über die zehn größten Krisen, die die Welt 2026 nicht ignorieren darf, in der Emergency Watchlist 2026.
Bleib informiert und teile dein Wissen
Folge IRC auf Instagram, Facebook und LinkedIn, um über unsere Arbeit in mehr als 40 Ländern weltweit informiert zu bleiben.
IRC erhält regelmäßig Bestnoten von Bewertungsorganisationen für den effizienten Einsatz von Spenden und die Wirksamkeit seiner Arbeit. Wir tragen stolz:
- Bestnote („A“) von Charity Watch
- 4 von 4 Sternen bei Charity Navigator
- Alle 20 Standards der BBB Wise Giving Alliance
- Aufnahme in die Forbes-Liste der 100 besten Wohltätigkeitsorganisationen