Khartum, 29. Juni 2026 — Eskalierte Drohnenangriffe der Rapid Support Forces (RSF) auf El Obeid, die Hauptstadt des Bundesstaates Nordkordofan, kosten Zivilist*innen das Leben und schneiden der Zivilbevölkerung den Zugang zu Nahrung, Wasser und Treibstoff ab. Die Angriffe ebnen den Weg für eine Bodenoffensive, die Hunderttausende Menschen in größte Gefahr bringen und eine humanitäre Notlage auslösen würde, warnt International Rescue Committee (IRC).
Drohnenangriffe auf Treibstoffdepots und Wasserversorgungsanlagen haben die Bevölkerung in eine akute Versorgungskrise gestürzt. Mit dem weiteren Vormarsch der Bodentruppen drohen zentrale Fluchtrouten Richtung Kosti gesperrt zu werden – und Zivilist*innen in der Stadt eingeschlossen zu werden.
Das Vorgehen rund um El Obeid folgt einem bekannten Muster: In El Fasher mündete die Einkreisung in weitreichende Angriffe auf Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur – Krankenhäuser und Hilfsorganisationen konnten die dringendsten Bedarfe nicht mehr decken. Ohne entschlossenes internationales Handeln droht El Obeid derselbe Verlauf.
„Was heute in El Obeid geschieht, könnte zu einer Wiederholung der Gräueltaten werden, die wir in El Fasher erlebt haben als Zivilist*innen gezielt angegriffen wurden", sagt Richard Data, IRC-Landesdirektor für Sudan. „Wenn Wasser und Treibstoff ausgehen und Straßen absichtlich blockiert werden, haben die Menschen keine Möglichkeit mehr zu überleben oder zu fliehen. Sie stehen schutzlos da."
Eine Offensive auf El Obeid könnte eine massive Fluchtbewegung in den Bundesstaat Weißer Nil auslösen, wo die Zahl der Binnenvertriebenen bereits steigt. Fast 2.000 Menschen sind in den vergangenen Wochen von El Obeid dorthin geflohen. Doch die Voraussetzungen für eine Flucht – befahrbare Straßen, Treibstoff und physische Sicherheit – schwinden mit jedem Angriff. Viele werden die Stadt nicht mehr verlassen können: Sie stehen vor der Wahl zwischen einer belagerten Stadt und der Flucht auf unsicheren Straßen.
IRC fordert alle Konfliktparteien auf, ihrer Schutzpflicht gegenüber der Zivilbevölkerung nachzukommen. Die RSF muss den internationalen Forderungen nach einem Ende der Offensive Folge leisten. Alle Akteur*innen mit Einfluss auf die RSF sollen ihre Beziehungen nutzen, um eine weitere Gräueltat in Sudan abzuwenden. Zivilist*innen, die die Stadt verlassen möchten, müssen dies sicher tun können – und alle Parteien müssen einen raschen, sicheren und ungehinderten humanitären Zugang gewährleisten, damit lebenswichtige Hilfe aufrechterhalten werden kann.
Ohne eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten droht El Obeid zur nächsten eingeschlossenen Stadt zu werden – und der Weiße Nil zu einem Aufnahmegebiet, das einer Fluchtbewegung dieses Ausmaßes nicht gewachsen ist.
Seit Ausbruch des Konflikts 2023 hat IRC die Programmarbeit angepasst und die Nothilfe ausgeweitet. IRC ist in den Bundesstaaten Blue Nile, Gedaref, Khartum, River Nile, Südkordofan und Weißer Nil aktiv und arbeitet daran, die Präsenz im Bundesstaat Jazira wiederherzustellen. IRC unterhält ein Büro in Port Sudan und baut die Präsenz in weiteren Bundesstaaten aus, darunter Darfur.