Mindestens 350 Hilfskräfte wurden 2025 getötet, weitere 84 bereits 2026; Gaza und Sudan machen zusammen fast drei Viertel aller Todesfälle aus.
Humanitäre Hilfskräfte werden in Rekordzahl getötet, obwohl das humanitäre Völkerrecht sie ausdrücklich vor Angriffen schützt.
IRC fordert Regierungen und Konfliktparteien auf, Hilfskräfte zu schützen und Verantwortliche für Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen.
Berlin, 18. August 2026 — Mindestens 350 Hilfskräfte wurden 2025 getötet – eines der tödlichsten Jahre, die je erfasst wurden. Mehr als die Hälfte der Todesfälle ereignete sich im besetzten palästinensischen Gebiet, jeder fünfte in Sudan1. Beide Krisen zusammen machen fast drei Viertel aller im vergangenen Jahr erfassten Tötungen von Hilfskräften aus. IRC warnt: Humanitäres Personal – der überwiegende Teil davon lokale Mitarbeitende, die ihre eigenen Gemeinden versorgen – zahlt für die Verteilung von Nahrung, medizinischer Versorgung und Unterkünften an Menschen in Krisenkontexten zunehmend mit dem Leben.
Der diesjährige Welttag der humanitären Hilfe fällt in eine Zeit, in der der humanitäre Bedarf weiter steigt, während die Hilfsbudgets schrumpfen. Während internationale Mitarbeitende öffentlich meist mehr Aufmerksamkeit erhalten, trägt vor allem lokales Personal das Risiko. Fast alle getöteten Hilfskräfte – 349 von 350 – waren nationale Mitarbeitende.
„Gesundheits- und Hilfspersonal wird zunehmend gezielt angegriffen", sagt Bob Kitchen, IRC-Vizepräsident für Notfalleinsätze. „Trotzdem arbeiten sie weiter in den gefährlichsten Krisenkontexten der Welt, weil die Menschen dort keine andere Anlaufstelle haben. In Gaza und in Sudan kostet das derzeit mehr Menschenleben als je zuvor erfasst. Ihr Schutz ist gesetzlich vorgeschrieben. IRC gedenkt den eigenen Mitarbeitenden und die Mitarbeitenden von Partnerorganisationen, die dieses Jahr im Einsatz für andere ihr Leben verloren haben."
Sudan verzeichnet inzwischen die größte humanitäre Krise weltweit. Trotz der Belagerung durch die RSF (Rapid Support Forces) und des sich ausweitenden Konflikts ist IRC dort weiterhin aktiv. Sinkende Mittel und ein zunehmend erschwerter humanitärer Zugang gefährden Einsatzkräfte vor Ort, selbst Opfer der Gewalt zu werden. Im besetzten palästinensischen Gebiet hat der Konflikt in zweieinhalb Jahren die zivile Infrastruktur nahezu vollständig zerstört. Hilfskräfte befinden sich fortlaufend inmitten der Kampfhandlungen, mit wenig Schutz und unter andauerndem Bombardement.
Das humanitäre Völkerrecht schützt humanitäres und medizinisches Personal ausdrücklich; Angriffe auf sie sind verboten. Verantwortliche für solche Angriffe werden jedoch nur selten zur Rechenschaft gezogen. IRC fordert Regierungen und Konfliktparteien auf, ihrer Pflicht zum Schutz von Zivilist*innen und Hilfskräften nachzukommen und dafür zu sorgen, dass Verantwortliche für Angriffe zur Rechenschaft gezogen werden.
1 Das geht aus der Aid Worker Security Database (Datenbank zur Sicherheit humanitärer Helfer*innen) hervor, der weltweit führenden Quelle für Gewalt gegen humanitäre Helfer*innen.