Anlässlich der Weltimpfwoche 2026 verkünden International Rescue Committee (IRC) und die Partnerorganisationen des von Gavi finanzierten REACH-Konsortiums einen bedeutenden Meilenstein: Mehr als 30 Millionen lebenswichtige Impfdosen wurden in einige der fragilsten und am stärksten von Konflikten betroffenen Regionen weltweit geliefert. Damit konnten über eine Million Kinder erreicht werden, die zuvor noch keine einzige Impfung erhalten hatten. 

Seit 2022 ist REACH (Reaching Every Child in Humanitarian Settings) in schwer zugänglichen, von Konflikten und Katastrophen betroffenen Gebieten tätig, beispielsweise in Tschad, Nigeria, Äthiopien, Sudan, Südsudan und Somalia. Das Programm ermöglicht sowohl Routine- als auch Nachholimpfungen für Kinder, die jahrelang keinen Zugang zu Impfungen hatten. Dabei erreicht REACH Gemeinden, für die staatliche Gesundheitsversorgung und Impfdienste nur eingeschränkt verfügbar sind. Der Erfolg von REACH beruht auf starken lokalen Partnerorganisationen, kontextgerechter Umsetzung und der verlässlichen Aushandlung humanitären Zugangs.

Dass dieser Meilenstein erst jetzt erreicht wird, verdeutlicht die anhaltende globale Ungleichheit beim Zugang zu Impfungen. Denn die Hälfte der 20 Millionen Kinder, die nicht oder nur unzureichend geimpft sind, lebt in fragilen und konfliktbetroffenen Ländern. Darunter sind über 14 Millionen Kinder, die noch keine einzige Impfung erhalten haben. Gleichzeitig zeigt der Meilenstein was möglich ist, wenn Impfkampagnen und Gesundheitsversorgung gezielt für Menschen in Krisenkontexten konzipiert werden. Kinder in diesen Kontexten haben ein dreimal höheres Sterberisiko als Gleichaltrige in stabilen Ländern. Impfungen zählen zu den wirksamsten Maßnahmen, um diese Lücke zu schließen. REACH zeigt, dass dies auch dort in großem Maßstab und kosteneffizient möglich ist. REACH belegt zudem, dass Impfprogramme in Kirsenkontexten wirkungsvoll und kosteneffizient umgesetzt werden können. Die durchschnittlichen Kosten liegen bei rund 1,70 Euro pro Dosis (2025: etwa 0,85 Euro) und damit unter internationalen Vergleichswerten. 

Lena Görgen, IRC Deutschland Landesvertreterin, sagt: „Über das BMZ ist die Bundesregierung eine zentrale Unterstützerin von Gavi. Die im letzten Jahr erneuerte Finanzierungszusage – entgegen dem rückläufigen Engagement anderer Geber – setzt ein wichtiges Zeichen für den weltweiten Zugang zu Impfungen, unabhängig vom Lebensort. Damit dieses Versprechen auch für Kinder in Konflikt- und Krisengebieten gilt, rufen wir zur Fortführung der erfolgreichen REACH-Partnerschaft auf, die Impfungen dorthin bringt, wo sie sonst – auch über Konfliktlinien hinweg – nicht ankommen.”

Mesfin Teklu Tessema, IRC-Senior Direktor für Gesundheit, ergänzt: „REACH ist ein reproduzierbares, skalierbares Modell, um Impfungen dort zu verabreichen, wo der Bedarf – und die Herausforderungen – am größten sind. Als REACH 2022 ins Leben gerufen wurde, konnten nur 16 Prozent der Zielgruppe für Impfungen erreicht werden – heute sind es 100 Prozent. Dieser Fortschritt ist das Ergebnis kontinuierlicher Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden und erfolgreich verhandeltem humanitärem Zugang.  

Der Maßstab für funktionierende globale Gesundheitssysteme ist, ob sie die am stärksten betroffenen Menschen erreichen. REACH zeigt, dass dies möglich ist. In einer Zeit, in der das globale Hilfssystem einen beispiellosen Schwächung erlebt, brauchen wir Ansätze, die sowohl skalierbar als auch kosteneffizient sind. Programme wie REACH erreichen Kinder, die sonst nicht erreicht werden würden, und tragen gleichzeitig dazu bei, Krankheitsausbrüche weltweit zu verhindern.“

Thabani Maphosa, Leitung der Länderumsetzung bei Gavi, der Impfallianz, kommentiert: „Die Impfquote ist weltweit stark gestiegen. Doch in fragilen und von Konflikten betroffenen Kontexten entscheidet der Wohnort eines Kindes nach wie vor darüber, ob es lebenswichtige Impfstoffe erhält. Indem wir die unzugänglichsten Regionen erreichen, sichern wir die Impffortschritte und verhindern Krankheitsausbrüche. Partnerschaften wie REACH zeigen, was möglich ist, wenn die Impfstoffversorgung an die Realitäten angepasst wird, mit denen Kinder in komplexen und schwer zugänglichen Umgebungen konfrontiert sind.“

Das REACH-Modell basiert auf drei Kernkompetenzen:

Angesichts knapper werdender Ressourcen und steigender Bedarfe in den weltweiten Gesundheitssystemen ruft IRC Spender*innen und Partnerorganisationen dazu auf, bewährte Ansätze wie REACH auszuweiten. Nur so lassen sich die Fortschritte bei Impfungen sichern und die am schwersten zu erreichenden Kinder nachhaltig schützen.