Kinshasa, Demokratische Republik Kongo , 18. Juni 2026 — Mehr als einen Monat nach Registrierung der ersten Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Uganda sind Frauen und Mädchen einer doppelten Bedrohung ausgesetzt: einem höheren Infektionsrisiko und erhöhten Risiko sexueller Gewalt und Ausbeutung. International Rescue Committee (IRC) warnt: Ohne sofortige Schutzmaßnahmen zahlen Frauen und Mädchen den höchsten Preis – und die Hilfsmaßnahmen selbst drohen zu scheitern.
Frauen und Mädchen sind oftmals die Hauptpflegepersonen für Kranke und somit einem weitaus höheren Infektionsrisiko ausgesetzt. Beim Ausbruch in Liberia 2014 machten Frauen in einigen Gemeinden bis zu drei Viertel der Ebola-Todesfälle aus. Im DRK-Ausbruch 2018–2019 entfielen fast zwei Drittel der gemeldeten Infektionen auf sie. Aktuelle Daten zum Ebola-Ausbruch 2026 bestätigen dieses Muster: Frauen und Mädchen stellen mehr als 54 Prozent der Fälle – und Ebola bleibt eine Krankheit der Pflegenden. Gleichzeitig zwingt der erhöhte Bedarf an Wasser, Hygiene und Pflege Frauen und Mädchen dazu, längere Strecken zu Fuß zurückzulegen – und erhöht ihr Risiko, sexueller Gewalt und Belästigung ausgesetzt zu sein.
Für Überlebende sexueller Gewalt verschärft sich die Lage zusätzlich. Unterbrochene Gesundheitsversorgung, Angst vor Ansteckung und Stigmatisierung erschweren den Zugang zu Hilfe. Gleichzeitig konzentriert ein ohnehin schwaches Gesundheitssystem seine knappen Kapazitäten auf die Ausbruchsbewältigung. Auch die Bedingungen für Ausbeutung und Missbrauch sind bei jedem großen Notfalleinsatz vorhanden: ein Zustrom an Personal und Ressourcen, akuter Bedarf, starke Machtungleichgewichte.
„Ebola lässt sich nur eindämmen, wenn Frauen und Mädchen geschützt sind. Das haben alle Krankheitsausbrüche gezeigt, auf die wir reagiert haben”, sagte Weihui Wang, technische Beraterin für Notfallschutz bei IRC. „Gemeinden, die Hilfskräften misstrauen, wenden sich von lebenswichtigen Maßnahmen ab. Sie kommen nicht mehr zur Überwachung, zur Behandlung, zur Kontaktnachverfolgung. Schutz von Anfang an richtig umzusetzen trägt entscheidend zum Erfolg der Hilfsmaßnahmen bei.“
Aber Prävention allein reicht nicht aus. Betroffene von sexueller Gewalt und Ausbeutung müssen sofort Zugang zu medizinischer Versorgung, psychosozialer Unterstützung und Überweisungssystemen erhalten. Diese Strukturen brauchen Vorlaufzeit. Sie müssen stehen, bevor die Arbeit mit Gemeinden beginnt.