Die jüngste IPC-Meldung zeigt: Über drei Jahre Krieg und eine schwere, durch El-Niño begünstigte Dürre zehren die Nahrungsvorräte in den Regionen Darfur und Kordofan auf. Dort wurden seit Oktober mehr als 300.000 Menschen vertrieben.
Die akute Mangelernährung steigt; in Teilen der Regionen Darfur und Kordofan wächst das Risiko einer Hungersnot.
Geberregierungen müssen die Hilfsmittel für Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsversorgung und Behandlung von Mangelernährung aufstocken.
Die Konfliktparteien müssen Angriffe auf Zivilist*innen beenden und sicheren humanitären Zugang ermöglichen.
Khartum, Sudan, 14. Oktober 2026 — Eine durch El Niño begünstigte Dürre verschärft die Folgen des Konflikts in Sudan. Laut der jüngsten Meldung der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) – dem globalen System zur Bewertung des Ausmaßes von Hunger und Unterernährung – wächst in den Regionen Darfur und Kordofan die Gefahr einer Hungersnot. In zwei Geflüchtetenlagern in Süd-Darfur liegt die akute Mangelernährung bei Kindern bereits über der Hungersnot-Schwelle. Zudem hat die Kindersterblichkeit in den untersuchten Lagern ein Notfallniveau erreicht.
International Rescue Committee (IRC) fordert Geberregierungen auf, die Hilfsmittel für Nahrungsmittelhilfe, Gesundheitsversorgung und Behandlung von Mangelernährung aufzustocken. Zudem müssen die Konfliktparteien sicheren und ungehinderten humanitären Zugang erlauben.
In ganz Sudan werden die Ernten voraussichtlich so schlecht ausfallen wie nie zuvor. Zugleich schwinden die Nahrungsvorräte und die Lebensmittelpreise steigen. Besonders gravierend ist die akute Ernährungsunsicherheit in Nord-Darfur, wo verspätete Regenfälle den Anbau zerstört haben. Viele vertriebene Landwirt*innen müssen deshalb Nahrung kaufen. Der anhaltende Konflikt und sich verschiebende Frontlinien verschärfen die Lage zusätzlich. Selbst wo Felder bestellt wurden, birgt die kommende Saison erhebliche Risiken. Da sich die Dürre in den umliegenden Gebieten verschärft, könnten bald noch mehr Menschen auf der Suche nach Nahrung, Wasser und anderer Grundversorgung nach Tawila kommen. Dort leben schon jetzt mehr als 650.000 Binnenvertriebene.
„In Sudan bringt El Niño nach Jahren des Konflikts unmittelbar Hunger“, sagt Richard Data, IRC-Landesdirektor in Sudan. „Diese Hungerwarnung muss ein Weckruf für Geberregierungen sein. Sie müssen die Hilfsmittel für Nothilfe bei Nahrung, Gesundheit und Ernährung sofort aufstocken.“
IRC und andere Hilfsorganisationen arbeiten gegen die Zeit; der Bedarf in Sudan übersteigt die Hilfskapazitäten. Mehr als 5 Millionen Menschen sind bereits Hunger auf Notfallniveau ausgesetzt. Schätzungsweise 825.000 Kinder unter fünf Jahren werden schwer akut mangelernährt sein.
Nothilfe allein reicht aber nicht aus. IRC fordert alle Konfliktparteien auf, Zivilist*innen und zivile Infrastruktur zu schützen sowie Menschen in Gebieten mit aktiven Kampfhandlungen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang zu gewähren. Geberregierungen müssen zudem verlässliche Hilfsmittel bereitstellen und die humanitäre Hilfe ausweiten.
IRC in Sudan
IRC hat die Programmarbeit in Sudan seit Konfliktbeginn im Jahr 2023 ausgeweitet. Heute ist IRC in Blue Nile, Gedaref, Khartum, River Nile, White Nile, Süd-Kordofan, Nord-Darfur, Zentral-Darfur und West-Darfur aktiv. IRC-Teams leisten medizinische Versorgung und behandeln Mangelernährung bei Kindern sowie bei schwangeren und stillenden Frauen. IRC unterstützt auch mit WASH-Programmarbeit, Programme zum Schutz von Frauen und Kindern sowie Bargeldhilfe.