Berlin, 25. September 2026 — Während sich die europäischen Innenminister*innen dieses Wochenende in München treffen, warnt International Rescue Committee (IRC): Weitere Pläne für Rückführungszentren in Drittstaaten und Vorschläge, die Standard-Asylverfahren zu lockern, würde die Rechte von Geflüchteten in Europa historisch zurückwerfen.
Am Rande des Treffens am kommenden Samstag wollen sich Deutschland, Griechenland, Österreich, die Niederlande und Dänemark voraussichtlich abstimmen, wie sie Rückführungszentren in Drittstaaten weiter vorantreiben. Als mögliche Standorte gelten Berichten zufolge Uganda und Ruanda. Ein erstes Pilotzentrum könnte bis zu 10.000 abgelehnte Asylsuchende aufnehmen und während der griechischen EU-Ratspräsidentschaft 2027 einsatzbereit werden. Unabhängig davon schlägt Italien vor, Rückführungszentren nach dem Vorbild des eigenen Albanien-Modells mit EU-Mitteln zu finanzieren. Eine vorläufige Liste nennt als mögliche Partnerländer Ghana, Senegal, Tunesien, Libyen, Mauretanien, Ägypten, Uganda, Usbekistan, Armenien, Montenegro und Äthiopien.
„Was ich in den albanischen Abschiebezentren gesehen habe, bestätigt, wovor wir von Anfang an gewarnt haben: Dieser Ansatz ist grausam, teuer und nimmt Menschen ihre Würde", sagt Flaminia Delle Cese, IRC-Leiterin für Politik, Advocacy und Kommunikation in Italien, die die Zentren in diesem Sommer zweimal besucht hat. „Diese Zentren hätten niemals entstehen dürfen. Wer Menschen in geschlossenen Einrichtungen außerhalb der EU bringt, bestraft sie für ein Migrationssystem, das sie sich nicht ausgesucht haben. Dieses Modell darf niemals zur Blaupause für Europas Asylpolitik werden."
Gleichzeitig sorgen neue Vorschläge des griechischen Migrations Ministers vor dem Münchner Gipfelfür weitere Besorgnis: Bei „groß angelegten Migrationsbewegungen" sollen Standard-Asylverfahren vorübergehend ausgesetzt werden können. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstützt ihn dabei.
„Menschen, die vor Konflikt und Katastrophe fliehen, brauchen Würde und einen fairen, rechtmäßigen Zugang zum Asylverfahren — nicht Haft oder Abweisung", so Marta Welander, Leiterin EU-Advocacy bei IRC. „Europa braucht ein Migrationssystem, das menschlich, geordnet und im Völkerrecht verankert ist: jeden Antrag einzeln prüfen, niemanden in Gefahr zurückschicken."
„München ist kein Nebenschauplatz, sondern hier entscheidet sich, wie viel der Schutz von Menschenleben der EU wert ist. Deutschland sitzt nicht nur mit am Tisch, sondern lädt aktiv andere europäische Staaten dazu ein,” sagt Daniela Brandt, Politische Referentin für humanitäre Aufnahme bei IRC Deutschland. „Wer Rückführungszentren in Uganda oder Ruanda mitverhandelt und Standard-Asylverfahren aufweicht, verlässt den Boden des Non-Refoulement-Prinzips. Gerade jetzt, wo der politische Druck steigt, darf Deutschland Schutzstandards nicht zur Verhandlungssache machen, sondern muss seine Gestaltungsspielräume nutzen, um sie zu stärken."