International Rescue Committee (IRC) warnt:  Luftraumsperrungen in Teilen des Nahen Ostens und die Schließung der Straße von Hormus beeinträchtigen globale humanitäre Lieferketten zunehmend schwer. Vulnerable Menschen weltweit erhalten nur verzögert humanitäre Hilfe. Gleichzeitig treiben steigende Treibstoff- und Energiepreise die Kosten für humanitäre Programmarbeit erheblich in die Höhe.

Luftraumsperrungen im Golfraum und in Irak führen dazu, dass zahlreiche Passagier- und Frachtflüge gestrichen oder umgeleitet werden. Das verzögert die Entsendung von Personal und stört die Lieferung essenzieller Güter wie Nahrungsmittel, medizinische Versorgung und Notfallhilfe. Auch Seewege sind betroffen: Frachtschiffe müssen Umwege fahren, wodurch sich Lieferzeiten verlängern und etwa 20 Prozent der globalen Ölexporte beeinträchtigt werden. Diese Umleitungen erhöhen sowohl Transportkosten als auch Versicherungsprämien für Schiffe in der Region.

Für Organisationen wie IRC, die auf globale Beschaffung angewiesen sind, wirken sich diese Verzögerungen bereits direkt auf Lieferketten aus. Besonders kritisch ist das bei temperaturempfindlichen Produkten für Gesundheitsversorgung, Ernährungsprogramme und Impfstoffe. Ein Beispiel: Medikamentenlieferungen im Wert von über 112.000 Euro für den Einsatz in Sudan stecken derzeit in Dubai fest und erreichen die angewiesenen Gemeinden verspätet.

Die Lage ist zunehmend unsicher und schwer planbar; Hilfsstrategien müssen kurzfristig angepasst werden. Budgets für Programme und Projektanträge werden neu kalkuliert, um die stark gestiegenen Kosten für Treibstoff, Transport und Waren zu berücksichtigen. Das volle Ausmaß der Preissteigerungen ist noch nicht absehbar, wodurch zusätzlicher Druck auf die humanitäre Programmarbeit entsteht. Ressourcen müssen unter Umständen weiter gestreckt oder neu priorisiert werden – mit möglichen Einschränkungen für Umfang und Reichweite der Hilfe.

Logistikpartner von IRC berichten, dass Schiffe nun häufig um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden müssen. Das verlängert Lieferzeiten nach Afrika um bis zu einen Monat. Akteure stehen dadurch vor schwierigen Entscheidungen: Höhere Kosten durch Luftfracht in Kauf nehmen, sofern verfügbar – oder Programme und Beschaffung an längere und unvorhersehbare Lieferzeiten anpassen. 

David Miliband, IRC-Präsident und CEO, kommentiert: 

„Wir sehen derzeit, dass der Krieg in Iran eine dreifache Notlage auslöst. Erstens steigt der humanitäre Bedarf stark an – besonders sichtbar in Libanon, wo innerhalb weniger Wochen über eine Million Menschen vertrieben wurden. 

Zweitens erleben wir einen globalen wirtschaftlichen Schock. Störungen bei Lebensmitteln, Treibstoff und Düngemitteln gefährden bis zu 30 Prozent des weltweiten Düngemittelhandels. Mehr als 300 Millionen Menschen, die bereits akute Ernährungsunsicherheit erleben, sind betroffen. In Gaza sind die Mehlpreise bereits um 270 Prozent gestiegen, während das Risiko einer Hungersnot weiterhin besteht. Zugleich sind fragile Staaten von Somalia bis Jemen gefährdet, ähnliche Schocks zu erleben wie während COVID und dem Ukrainekrieg.

Drittens steht das humanitäre System selbst unter massivem Druck. Mehr als 60 Konflikte binden Aufmerksamkeit und Hilfsmittel, wodurch Krisen wie die in Sudan und Gaza weiter in den Hintergrund geraten. Auch die IRC-Programmarbeit in Libanon war von Kürzungen betroffen, obwohl eine Ausweitung dringend nötig ist. Das führt zu einem überlasteten humanitären System, das gezwungen ist, unmögliche Priorisierungsentscheidungen zu treffen. 

Während innerhalb weniger Tage über 9,7 Milliarden Euro für Krieg ausgegeben werden, würden weniger als 3,5 Milliarden Euro ausreichen, um alle akut unterernährten Kinder weltweit zu behandeln. Diese Krise ist nicht regional begrenzt, sondern hat globale Auswirkungen – und trifft vor allem die vulnerabelsten Menschen.“

IRC fordert alle beteiligten Akteure auf, humanitären Zugang bei allen Entscheidungen zu Luftraum und Seewegen konsequent zu priorisieren. Zudem braucht es flexible und verlässliche Finanzierungszusagen, damit Hilfsorganisationen wirksam auf die steigenden Kosten und unterbrochenen Lieferketten reagieren können.

Der Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung der humanitären Hilfe muss gewährleistet werden. IRC fordert: