Ab heute haben mindestens 473.700 Menschen keinen Zugang mehr zu Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe, sauberem Wasser und Schutzprogrammen, nachdem die Finanzierung für die IRC-Programmarbeit in Sudan ausgelaufen ist.
36 Gesundheitseinrichtungen, 29 Ernährungszentren, 8 Safe Spaces für Frauen und Mädchen sowie 6 Schutzräume für Kinder mussten schließen.
Nach fast 4 Jahren Krieg ist Sudan die weltweit größte Vertreibungskrise; 33,7 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, mehr als 9 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes vertrieben.
Die Bevölkerung ist einer Hungerkrise ausgesetzt, von der landesweit fast 20 Millionen Menschen betroffen sind.
Geberregierungen müssen die Finanzierungslücke dringend schließen, um den Kollaps der verbleibenden humanitären Programmarbeit für vertriebene Familien in Blauer Nil, Khartum, Darfur und weiteren Regionen zu verhindern.
Nairobi, Kenia, 1. Oktober 2026 — Ab heute haben fast eine halbe Million Menschen in Sudan keinen Zugang mehr zu lebenswichtiger Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe, sauberem Wasser und Schutzprogrammen1. Die US-Finanzierung endete im Juli 2026, die von International Rescue Committee (IRC) organisierte Übergangsfinanzierung ist inzwischen aufgebraucht. Weitere Mittel zur Deckung der Lücke stehen nicht zur Verfügung. Dreieinhalb Jahre nach Beginn des Konflikts sind 33,7 Millionen Menschen in Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen und Krankheiten wie Cholera breiten sich weiter aus.
„Wir beobachten seit über drei Jahren, was passiert, wenn die Welt bei Sudan wegschaut", sagt Mohammed Mahdi, IRC-Direktor für Ost-Sudan. „Mitten in einer der größten humanitären Krisen der Welt müssen wir Menschen die Tür verschließen, die sonst nirgendwo hinkönnen. Geberregierungen haben es in der Hand, das zu ändern. Jetzt ist der Moment, für Sudan einzustehen."
Die Schließungen im Gesundheits- und Ernährungsbereich treffen Darfur am härtesten. Dort zählt die Mangelernährungsrate bereits zu den höchsten in Sudan, in Teilen der Region wurde eine Hungersnot bestätigt. 14 Einrichtungen und mobile Kliniken versorgen dort monatlich durchschnittlich 16.900 Patient*innen, davon 6.381 Kleinkinder. Diese Versorgung fällt genau dann weg, wenn der Bedarf seinen Höhepunkt erreicht.
IRC-Teams haben bereits begonnen, Programme an andere Hilfsorganisationen zu übergeben, darunter ein Wassersystem, das ein Lager für Rückkehrende täglich mit 24.000 Litern versorgt. Für die meisten Programme ist jedoch offen, ob sie nach dem Ende der IRC-Unterstützung weiterlaufen2. Besonders besorgniserregend ist das Ende der Wasser-, Sanitär- und Hygieneprogramme für über 100.000 Menschen: Es erhöht das Risiko, dass sich Cholera in den ohnehin überfüllten Vertriebenensiedlungen festsetzt.
Familien in Tawila, Nord-Darfur, die im vergangenen Jahr Tausende Vertriebene aus dem belagerten El-Fasher aufgenommen haben, verlieren zudem die Bargeldhilfe für Nahrung, Unterkunft und Wasser. Diese Unterstützung hat Haushalte bislang davor bewahrt, auf negative Bewältigungsmechanismen zurückzugreifen, wie Mahlzeiten auszulassen oder Kinder aus der Schule zu nehmen.
„Während der Bundestag über den Haushalt und weitere Kürzungen debattiert, sehen wir in Sudan glasklar, was auf dem Spiel steht: Vor Ort brechen genau die Programme weg, die Menschen vor Hunger, Krankheit und Vertreibung schützen – mitten in einem Krieg, der von zahlreichen Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht geprägt ist,” sagt Helena Lüer, Politische Beraterin bei IRC Deutschland. „Für die Zivilbevölkerung Sudans entscheidet jede Verzögerung bei der Bereitstellung von Mitteln darüber, ob rechtzeitig Hilfe ankommt. Sie müssen dringend wieder aufgestockt werden, doch humanitäre Finanzierung allein kann diese Krise aber nicht lösen. Wir begrüßen, dass die Bundesregierung mit der Sudan-Konferenz im April 2026 ihr diplomatisches Engagement verstärkt hat. Jetzt braucht es kontinuierlichen hochrangigen Druck auf die Konfliktparteien und die Staaten, die sie unterstützen. Ohne dieses Engagement bleibt humanitäre Hilfe ein Wettlauf gegen die Zeit."
Der UN-Hilfsplan für Sudan 2026 ist erst zu 42,8 Prozent finanziert. Damit bleibt eine erhebliche Lücke, um die 14 Millionen Menschen zu erreichen, die weiterhin innerhalb Sudans und in der Region vertrieben sind. IRC fordert Geberregierungen dringend dazu auf, diese Finanzierungslücke zu schließen, bevor weitere Menschenleben verloren gehen.
1 Die Mittel finanzierten die IRC-Arbeit in den Bundesstaaten Blauer Nil, Al-Jazirah, Nil, Weißer Nil, Khartum, West-Darfur und Nord-Darfur. Dort erhielten Vertriebene, Rückkehrende und Aufnahmegemeinden Gesundheitsversorgung, Ernährungsprogramme, sauberes Wasser, sanitäre Grundversorgung und Schutzprogramme.
2 Die Kürzungen betreffen nicht nur IRC, sondern den gesamten humanitären Sektor in Sudan.