Neue Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) zeigen einen leichten Rückgang der weltweit vertriebenen Menschen im Vergleich zum letzten Jahr — doch die Zahl bleibt mit 118 Millionen auf historischem Höchststand. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. IRC warnt: Der Rückgang ist kein Fortschritt. Er spiegelt erzwungene Rückkehrungen wider — in Länder, die noch immer von Konflikten und Krisen gezeichnet sind — während Asylsysteme, Resettlement und humanitäre Hilfe gleichzeitig wegbrechen.

Lena Görgen, Landesvertreterin von IRC Deutschland, kommentiert: 

„118 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen — und die Verantwortung für ihren Schutz ist nicht gerecht oder nachhaltig verteilt, weder bei der Aufnahme noch bei der finanziellen Unterstützung. Diese Zahlen stellen uns eine grundsätzliche Frage: Wie ernst nehmen wir die Verpflichtung zum Schutz noch? Die GEAS-Reform höhlt EU-Schutzstandards aus, die Bundesregierung kürzt die humanitäre Hilfe innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte und streicht Mittel für Integrationskurse und unabhängige Rechtsberatung. 

Das ist zur falschen Zeit die falsche Antwort. Deutschland ist eines der größten Geberländer und ein wichtiges Aufnahmeland. Diese Verantwortung verpflichtet: Wir müssen jetzt in die Systeme investieren, die bereits Millionen Menschen Schutz geboten haben — und es weiter können."

David Miliband, President und CEO von IRC, sagt: 

„Der erste Rückgang der globalen Vertreibungszahlen seit über einem Jahrzehnt klingt zunächst nach einer guten Nachricht. Doch die Zahlen spiegeln Elend in historischem Ausmaß wider: Millionen sind zwar zurückgekehrt — aber die wenigsten nach Hause. Kürzungen bei Hilfsgeldern, Resettlement und grundlegenden Schutzsystemen haben Geflüchteten keinen Ausweg gelassen. Rückkehr ohne Ressourcen ist keine Lösung — sie ist Vertreibung im zweiten Anlauf. Die Frage ist, ob die Welt den Willen hat, die Schutzsysteme wieder aufzubauen — oder sie weiter abzutragen."

IRC warnt: Der leichte Rückgang verdeckt den Kollaps der Lösungsansätze

IRC fordert die internationale Gemeinschaft und Regierungen auf, Kürzungen bei der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit rückgängig zu machen, den Zugang zu Asyl und die Aufnahme von Geflüchteten zu sichern sowie bestehende Schutzsysteme zu stärken. Der Bedarf erfordert nicht nur humanitäre Nothilfe, sondern langfristiges politisches Engagement, das Menschen hilft, ihr Leben wieder aufzubauen.