Weltweit sind derzeit rund 72 Millionen Frauen und Mädchen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nur 13 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, die von humanitären Krisen betroffen sind. Dennoch ereignen sich dort 58 Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, 39 Prozent aller Todesfälle von Neugeborenen und 41 Prozent aller Totgeburten. Zudem lebt ein Viertel aller Frauen weltweit, die keinen ausreichenden Zugang zu Verhütung und Familienplanung haben, in diesen Ländern.* In Krisen- und Konfliktgebieten sind Frauen und Mädchen besonders gefährdet: Häufig fehlt es an fachkundiger Betreuung bei Geburten und an Verhütungsmitteln. Gleichzeitig steigt das Risiko von Gewalt und Ausbeutung, und Schwangerschaftsabbrüche finden häufiger unter unsicheren Bedingungen statt.
International Rescue Committee (IRC) unterstützt Frauen und Mädchen in akuten Krisen und auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Ziel ist es, ihr Überleben zu sichern und ihre Selbstbestimmung zu stärken. In 29 krisenbetroffenen Ländern in Afrika, Asien, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Europa arbeitet IRC mit Regierungen und lokalen Partnerorganisationen zusammen, um den Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (SRGR) zu verbessern. Dazu gehören Gesundheitsangebote, Forschung und politische Interessenvertretung auf nationaler und internationaler Ebene. IRC setzt auf einfache, kostengünstige und nachweislich wirksame Ansätze. Sie tragen dazu bei, ungewollte Schwangerschaften und unsichere Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern, Schwangerschaft und Geburt sicherer zu machen, die gesundheitlichen und psychischen Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt zu lindern und Erkrankungen durch sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV zu reduzieren.
Die Bedürfnisse der Menschen stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Unser Ansatz basiert auf feministischen Grundsätzen und dem Recht von Frauen und Mädchen, selbst über ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen und ihre Zukunft zu entscheiden. Denn gerade in Krisenzeiten ist Selbstbestimmung besonders wichtig. Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Stellen bietet IRC umfassende Leistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit an, setzt sich für die Veränderung schädlicher Geschlechternormen ein, gewinnt neue Erkenntnisse und stärkt die Rechte von Frauen und Mädchen in humanitären Krisen und fragilen Kontexten.
Was wir tun
Umfassende sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung: In 29 Ländern weltweit unterstützt IRC Gesundheitsangebote. Dazu gehören die Versorgung von Schwangeren, Müttern und Neugeborenen, Verhütung und Familienplanung, umfassende Versorgung rund um Schwangerschaftsabbrüche, medizinische Betreuung von Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen einschließlich HIV. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Mädchen im Jugendalter.
Wissen schaffen und wirksame Ansätze weiterentwickeln: IRC entwickelt und erforscht Lösungen, die sich in größerem Maßstab umsetzen lassen und die humanitäre Hilfe nachhaltig verbessern können. Unsere interdisziplinären Teams arbeiten evidenzbasiert und beziehen die Erfahrungen der Menschen, die unsere Angebote nutzen, sowie das Wissen der Fachkräfte vor Ort ein. Dabei erforschen wir unter anderem, wie Frauen Verhütung und medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche mit den nötigen Informationen und bei Bedarf medizinischer Begleitung selbst in die Hand nehmen können. So soll der Zugang zu diesen Gesundheitsleistungen erleichtert werden. Außerdem erforschen wir, wie die Versorgung von Müttern und Neugeborenen auf Gemeindeebene gestärkt werden kann und wie sich bewährte Maßnahmen gegen lebensbedrohliche Blutungen nach der Geburt an unterschiedliche Krisenkontexte anpassen lassen.
Sexuelle und reproduktive Rechte stärken: Damit sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung auch in Krisenregionen langfristig zugänglich bleibt, braucht es geeignete politische Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit von Entscheidungsträger*innen, Gesundheitsfachkräften sowie Frauen und Mädchen. IRC setzt sich deshalb auf globaler, regionaler und nationaler Ebene dafür ein, dass die besonderen Herausforderungen humanitärer Krisen bei politischen Entscheidungen und der Gestaltung von Richtlinien und Verfahren berücksichtigt werden.
Mehr über die Arbeit von IRC im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erfährst du in den untenstehenden Materialien.
*Die Schätzung beruht auf einer internen IRC-Analyse der humanitären Hilfspläne von 2024 sowie weltweiten Schätzungen zum Bedarf an sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung.