Im Geflüchtetenlager Aboutengué im Osten Tschads kommen sudanesische Frauen an, die lange und schwierige Wege hinter sich haben, voller Trauer und Ungewissheit. In der von IRC unterstützten Gesundheitseinrichtung begleitet sie Hebamme Njdepa durch Schwangerschaft und Geburt mit Fürsorge und Zuspruch.
Tag für Tag empfängt Njdepa Frauen, die bereits mehr durchgemacht haben, als sich die meisten Menschen vorstellen können.
Auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Heimatland Sudan sind einige tagelang zu Fuß unterwegs, bis sie die Grenze zu Tschad erreichen. Andere kommen ohne Geld an, mit kaum etwas zu essen und ohne jede Vorbereitung auf das Kind, das sie erwarten. Bei ihrer Ankunft in Njdepas Klinik sind viele erschöpft, voller Angst und wissen nicht, wie es weitergehen soll.
Njdepa weiß, dass eine Schwangerschaft unter diesen Bedingungen nie einfach ist. Manche Frauen waren monatelang ohne angemessene Versorgung, und viele wissen nicht, wohin sie sich wenden können, wenn die Wehen einsetzen. Die Gesundheitseinrichtung gibt ihnen einen Ort, an dem Fachpersonal sie untersucht, ihnen zuhört und sie während der gesamten Schwangerschaft begleitet – statt damit allein zu sein.
Versorgung im Geflüchtetenlager
Die Unterstützung geht oft über den Behandlungsraum hinaus. „Hier können wir gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen direkt und sofort helfen”, sagt Njdepa. „Hilfsorganisationen springen ein und unterstützen zum Beispiel mit Lebensmitteln, wie Mehl. Die Frauen bekommen es und können damit nach Hause gehen, etwas zubereiten und essen – wie schwangere Frauen anderswo eben auch.”
Diese Nahrungsmittelhilfe ist wichtig, weil viele der Frauen im Geflüchtetenlager ohnehin kaum über die Runden kommen. „Die größte Herausforderung ist, an genug zu essen zu kommen. Es gibt nichts zu essen. Es gibt keine Möglichkeiten, Geld zu verdienen”, sagt Njdepa. „Wenn sie hier ankommen, wissen sie nicht, was sie tun und wovon sie sich ernähren sollen. Das ist schwierig.”
Mariams* Weg nach Tschad
Eine der Frauen, die Njdepa betreut hat, ist Mariam. Auf ihrer Flucht aus Sudan musste Mariam vieles durchmachen. „Sie haben meinen Mann vor unseren Augen getötet, und sechs meiner Kinder waren verschwunden. Das siebte trug ich auf dem Rücken,” erzählt sie. Mariam kam verletzt und schwanger in Tschad an und war so überwältigt, dass Teile der Flucht in ihrer Erinnerung noch immer verschwommen sind.
Als sie das Geflüchtetenlager erreichte, gab es dort noch keine Gesundheitseinrichtung. Mariam verlor ihr Kind, ohne Zugang zu einer fachkundigen Betreuung. Lange Zeit lebte sie mit ihrer Trauer und der Ungewissheit und wartete auf Informationen zu ihren Kindern. Ein Jahr später wurden sie gefunden und kamen zu ihr zurück. Langsam begann sich ihr Leben zu verändern.
Inzwischen ist Mariam wieder verheiratet und im siebten Monat schwanger. Regelmäßig kommt sie in die von IRC unterstützte Gesundheitseinrichtung in Aboutengué. Sie hat einen klaren Plan für die Geburt, und geschultes Personal begleitet ihre Schwangerschaft. „Ich komme jeden Monat zur Kontrolle. Immer wenn man mir sagt, dass es dem Baby gut geht, bin ich glücklich”, sagt sie. Nach so vielen Verlusten geben ihr diese Besuche etwas Kostbares: das Gefühl, dass es dieses Mal anders sein könnte.
Njdepas Hoffnung für die Frauen
Njdepa spricht über die Frauen, die sie betreut, mit einer Mischung aus Realismus und Hoffnung. „Wir können sie ermutigen, sich selbst zu vertrauen; Selbstbewusstsein zu haben – und auch Vertrauen in die Menschen, die mit ihnen arbeiten, etwa wie Partnerorganisationen”, sagt sie. „Wir hoffen, dass sie Tag für Tag zufriedener werden und ihre Lage überwinden.”
Ihre Worte spiegeln wider, was sie täglich sieht: Frauen, die eine Schwangerschaft durch Hunger, Angst und Ungewissheit tragen und gleichzeitig versuchen, ihre Familien durchzubringen. Eine Schwangerschaft bringt für sich genommen schon genug Herausforderungen mit sich. Doch wenn diese Frauen in Aboutengué ankommen, fehlt es ihnen an den nötigsten Dingen – das macht ihre Situation noch schwerer. Genau deshalb bleibt die Unterstützung im Osten Tschads so wichtig.
Warum die Unterstützung von IRC in Tschad wichtig ist
Für Njdepa geht es bei der Geburtshilfe im Geflüchtetenlager um mehr als darum, einer Frau bei der Geburt zu helfen. Es geht darum, dass die Frauen sich gesehen und unterstützt fühlen und nach einem Weg voller Verluste weniger allein sind. Die Gesundheitseinrichtung gibt den Frauen einen Ort, an den sie zurückkehren können und an dem sie verlässlich versorgt werden, wenn sie es am dringendsten benötigen. Für Mütter wie Mariam kann das den Unterschied zwischen Angst und ein wenig Zuversicht bedeuten.
Im Osten Tschads unterstützt IRC im Geflüchtetenlager Aboutengué und in der Umgebung Gesundheitszentren, die geflüchtete Frauen und vertriebene Familien auf der Flucht vor Konflikt und Hunger in Sudan während Schwangerschaft und Geburt versorgen. In den Einrichtungen erhalten die Frauen Vorsorgeuntersuchungen, sichere Geburtshilfe sowie Nachsorge. Gemeinsam mit medizinischen Partnerorganisationen und lokalen Mitarbeiter*innen bietet das Programm den Frauen eine wohnortnahe Versorgung – damit Frauen wie Mariam ihr Leben in mehr Sicherheit und Würde wieder aufbauen können.
*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert.