Beirut, Libanon, 3. Juni 2026 — Während die Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah in Südlibanon andauern, warnt International Rescue Committee (IRC): Nur ein dauerhafter Waffenstillstand kann die Bedingungen für die Stabilisierung der humanitären Lage schaffen.
Israelische Luftangriffe, Bodenoperationen und groß angelegte Evakuierungsbefehle haben Familien zur Flucht gezwungen – oft mit wenig Vorwarnung und kaum Ressourcen. Viele haben ihr Einkommen verloren. Zerstörte Infrastruktur und anhaltende Unsicherheit erschweren den Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung und anderen lebensnotwendigen Diensten. Schätzungen zufolge werden in diesem Jahr rund 1,24 Millionen Menschen in Libanon von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein – besonders schwer im Süden des Landes, wo sich die Lage mit jedem neuen Evakuierungsbefehl weiter verschlechtert.
Sherine Ibrahim, IRC-Regionaldirektorin für den Nahen Osten, Nordafrika und die Ukraine, ist derzeit in Libanon und sagt:
„So viele Familien hier haben alles verloren – ihr Zuhause, ihre Sicherheit, ihre Lebensgrundlage. Sie brauchen ein dauerhaftes Ende der Kampfhandlungen. Schon vor der jüngsten Eskalation hatten die Menschen Schwierigkeiten, Nahrung zu bezahlen und grundlegende Dienste zu erreichen. Jetzt werden abermals Tausende mit wenig Vorwarnung vertrieben – manche zum zweiten oder dritten Mal."
Die Zivilbevölkerung in Libanon braucht einen nachhaltigen Waffenstillstand, der Leben schützt, sichere Rückkehr ermöglicht und die Voraussetzungen für den Wiederaufbau schafft. Dazu gehört auch ein sicherer und ungehinderter humanitärer Zugang.
Hilfsorganisationen stehen weiterhin vor erheblichen operativen Herausforderungen: Unsicherheit, zerstörte Infrastruktur, Bewegungseinschränkungen und gefährliche Arbeitsbedingungen. In dieser Woche konnten IRC-Mitarbeitende aufgrund der Sicherheitslage einige bedürftige Familien nicht erreichen. Dennoch unternimmt IRC alle Anstrengungen, um gefährdete Gemeinden in ganz Libanon weiterhin zu versorgen.
IRC fordert alle Konfliktparteien auf, ihren Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht nachzukommen: Zivilist*innen, zivile Infrastruktur und humanitäre Helfer*innen müssen geschützt werden und humanitäre Hilfe muss sicher und ungehindert geleistet werden können.
IRC in Libanon
IRC hat seit Beginn der Eskalation mehr als 6.200 Haushalten Bargeldnothilfe geleistet. Diese Unterstützung hilft vertriebenen Familien, dringende Bedarfe zu decken – darunter Nahrung, Unterkunft, Transport und Medikamente – und wahrt dabei ihre Würde und Selbstbestimmung. Außerdem bietet IRC Schutz- und Gesundheitsprogramme für konfliktbetroffene Gemeinden an.