Die jüngste Meldung der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) – dem globalen System zur Bewertung des Ausmaßes von Hunger und Unterernährung – bestätigt Hungersnotbedingungen in Um Baru und Kernoi im sudanesischen Bundesstaat Nord-Darfur. 

Diese Entwicklung ist eine nationale Tragödie, warnt International Rescue Committee (IRC). Die sich verschärfende Ernährungskrise verdeutlicht die verheerenden Folgen von fast drei Jahren anhaltendem Konflikt, wirtschaftlichem Zusammenbruch und stark eingeschränktem humanitären Zugang. Millionen Familien stehen am Rand des Überlebens. 

Derzeit sind landesweit mehr als 21 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Besonders in Teilen von Darfur und Kordofan haben anhaltende Gewalt, Vertreibung, explodierende Preise und eingeschränkter Zugang zu Lebensmitteln zu einer extremen Nahrungsknappheit geführt.

Die Schwere der Krise zeigt sich auch in den alarmierenden Raten akuter globaler Unterernährung (Global Acute Malnutrition, GAM). In mehreren Regionen liegen diese deutlich über der Notfallschwelle von 15 Prozent und erreichen teils mehr als 30 Prozent. Dies gilt als eindeutiger Indikator für Hungersnotbedingungen, insbesondere bei Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen.

Der anhaltende Konflikt hat zugleich die Lebensgrundlagen der Haushalte und lokale Ernährungssysteme massiv zerstört. Nahrungsmittelvorräte sind nahezu aufgebraucht, die Preise stark gestiegen. Viele Familien sehen sich gezwungen, zu verzweifelten Bewältigungsstrategien zu greifen. Verschärft wird die Lage durch den Zusammenbruch zentraler Dienste wie Gesundheitsversorgung, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Ernährungsprogramme, vor allem in belagerten Gebieten oder Regionen mit eingeschränktem humanitären Zugang.

Richard Data, IRC-Landesdirektor für Sudan, kommentiert: „Hinter diesen Zahlen stehen Mütter, Väter und Kinder, deren Leben auf Messers Schneide steht. Ohne sofortige, deutlich ausgeweitete humanitäre Hilfe droht weiteren Gemeinden der Abstieg in eine Hungersnot. Ausmaß und Schwere der Krise erfordern jetzt entschlossenes internationales Handeln.

Wir fordern alle Konfliktparteien auf, ungehinderten humanitären Zugang zu ermöglichen und den Schutz der Zivilbevölkerung zu priorisieren. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln – mit ausreichender Finanzierung, diplomatischen Bemühungen gegenüber den Konfliktparteien und verstärkter humanitärer Unterstützung. Andernfalls werden noch mehr Menschen ihr Leben verlieren.“

Nach Ausbruch des Konflikts im Jahr 2023 hat IRC die Programme angepasst und die Hilfe ausgeweitet, um dem stark gestiegenen humanitären Bedarf zu decken. Trotz erheblicher operativer Herausforderungen leistet IRC weiterhin Unterstützung in den Bundesstaaten Blue Nile, Gedaref, Khartum, River Nile, Süd-Kordofan und White Nile. Zudem arbeitet die Organisation daran, die Präsenz im Bundesstaat Jazera wieder aufzubauen. IRC unterhält ein Büro in Port Sudan und baut die Programmarbeit in weiteren Regionen aus, darunter in Darfur.