Während der BMI-Etat um fast 1 Mrd. € Gesamtvolumen steigen soll, sollen Humanitäre Aufnahme, Integrationskurse und Asylverfahrensberatung drastisch gekürzt werden:
Humanitäre Aufnahme und Resettlement auf 8,2 Mio. €, Integrationskurse um 44,5 Prozent auf ca. 590 Mio. € (2026: ca. 1,06 Mrd. €), behördenunabhängige Asylverfahrensberatung um 80 Prozent auf 5 Mio. € (von 24,5 Mio. €)
Der BMZ-Etat wurde zum sechsten Mal in Folge gekürzt auf nun 9,47 Mrd. € (2027) – ein Rückgang um 30 Prozent seit 2022
Das Budget für humanitäre Hilfe im Etat des Auswärtigen Amts wurde zwischen 2022 und 2027 um 68 Prozent gekürzt
Das Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungsleistungen zu investieren, rückt auch 2027 weiter in die Ferne
Das Klimafinanzierungsziel von 6 Mrd. € droht in 2027 erneut verfehlt zu werden.
Berlin, 9. September 2026 — Vor der ersten Lesung des Bundeshaushalts 2027 fordert International Rescue Committee (IRC) Deutschland den Bundestag auf, die vorgesehenen Kürzungen bei Auslandshilfe, Klimafinanzierung und Teilhabe schutzsuchender Menschen im Inland zu korrigieren. Während sich weltweit humanitäre Krisen verschärfen, droht Deutschland weniger statt mehr Handlungsspielraum zum Schutz von Menschen in Not zu haben.
Der Bundeshaushalt 2027 sieht Kürzungen in den Etats des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), des Bundesministeriums des Innern (BMI) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vor. Eine substanzielle Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe im Etat des Auswärtigen Amts (AA) bleibt aus. Diese Kürzungen zeigen sich sowohl in Krisenkontexten, wo IRC die Programmarbeit einschränken muss, als auch in Deutschland, wo Programmarbeit zur Integration und Teilhabe knapper finanziert wird.
„Wer heute bei der Unterstützung der Menschen spart, die Schutz vor Krisen und Verfolgung suchen, zahlt morgen doppelt - in Krisenkontexten weltweit und hier in Deutschland. Diese Kürzungen treffen nicht abstrakte Etats, sondern konkret Menschen, die auf Nothilfe, Sprachkurse oder Rechtsberatung warten – und gefährden ein Jahrzehnt des gesellschaftlichen Fortschritts”, sagt Lena Görgen, IRC Deutschland Landesvertreterin. „Der Bundestag hat jetzt, vor der Ersten Lesung, die Chance zur Nachbesserung. Diese Chance darf nicht verstreichen.”
Als einer der größten Geber für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit trägt Deutschland eine besondere Verantwortung gegenüber Menschen in Krisenkontexten. Investition in internationales Engagement und Vorbeugung von Krisen ist eine Frage politischer Priorisierung. Dass Deutschland dieser weniger gerecht werden wird, deutet sich auch im Etat des Bundesinnenministeriums an, der eine klare Prioritätenverschiebung weg von Aufnahmebereitschaft und Integrationsunterstützung, hin zu Investitionen in Sicherheitsbehörden und inländischem Katastrophenschutz enthält.
IRC Deutschland fordert die Bundesregierung auf:
- Rückkehr zum Haushaltsniveau 2024: mindestens 11,2 Milliarden Euro für das BMZ unter Erhalt des Kriseninstruments der Übergangshilfe und mindestens 2,8 Milliarden Euro für das Auswärtige Amt zur Erreichung des 0,7-Prozent-ODA-Ziels
- Einhaltung des 6-Milliarden-Euro-Ziels in der Klimafinanzierung
- Wiederherstellung der bedarfsgerechten Finanzierung für humanitäre Aufnahme und Resettlement
- Bedarfsgerechte Finanzierung von Rechtsberatung und integrationspolitische Maßnahmen sowie eine Revision der geplanten familien- und wohnungspolitischen Reformen, damit sie keine zusätzliche Belastung für Menschen in prekären Lebenslagen bedeuten