Die eskalierenden Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hisbollah haben mehr als 700.000 Menschen in ganz Libanon dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Als Reaktion auf die sich rapide verschärfende humanitäre Krise hat International Rescue Committee (IRC) eine Watchlist-Eilmeldung für Libanon herausgegeben. IRC warnt: der erneute Konflikt führt bereits zu großflächigen Vertreibungen und belastet Familien, Gemeinden und humanitäre Hilfe massiv. 

Die Gewalt verschärft zudem die anhaltende Wirtschaftskrise in Libanon. Bereits mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut. Viele Familien können sich keine ausreichende Ernährung mehr leisten. Gleichzeitig geraten wichtige Gesundheits- und Schutzdienste zunehmend unter Druck. 

Magda Rossmann, IRC-Landesdirektorin für Libanon, kommentiert:  

„Was wir derzeit in Libanon erleben, ist eine sich rasch verschärfende humanitäre Krise. Mehr als 700.000 Menschen wurden bereits vertrieben, doch nur etwa jeder Fünfte hat eine offizielle Sammelunterkunft erreicht. Die meisten Menschen suchen Schutz –– bei Verwandten, Nachbar*innen oder in provisorischen Unterkünften. Viele Familien sind noch immer auf der Flucht und suchen verzweifelt nach Sicherheit. 

In Beirut habe ich Menschen gesehen, die in ihren Autos oder auf der Straße schlafen. Andere sind auf die Großzügigkeit der aufnehmenden Gemeinden angewiesen. Doch viele dieser Gemeinden sind bereits überlastet.

Das Ausmaß der Überbelegung ist erschreckend. In einem Stadion in Beirut wurden die Umkleideräume zu Notunterkünften umfunktioniert. In einem einzigen Raum von etwa 20 Quadratmetern leben sieben Familien dicht gedrängt nebeneinander – ohne Platz und ohne Privatsphäre. 

Humanitäre Organisationen wie IRC arbeiten mit Hochdruck daran, Hilfe zu leisten. Wir verteilen Güter wie Matratzen, Decken und Kissen an Familien, die alles verloren haben. Aber der Bedarf wächst weit schneller als die verfügbaren Ressourcen. Ohne sofortige Unterstützung werden viele Vertriebene ohne die grundlegendste Unterstützung bleiben.”

David Miliband, IRC-Präsident und CEO, ergänzt: 

„In der Debatte über den Krieg mit dem Iran stehen geopolitische und wirtschaftliche Folgen im Mittelpunkt. Den humanitären Konsequenzen wird deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei sind die Folgen bereits sichtbar. 

Erstens: die direkten und unmittelbaren Auswirkungen. In Libanon wurden 700.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben und mindestens 400 bei den jüngsten Angriffen getötet.

Zweitens: die Auswirkungen auf Menschen weit über das Kriegsgebiet hinaus. Die wirtschaftlichen Folgen nehmen zu – steigende Kraftstoffpreise und Unterbrechungen der Düngemittelversorgung bedrohen die globale Lebensmittel- und Energiesicherheit. Das gefährdet Millionen Menschen weltweit, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, ihre Grundbedarfe zu decken. 

Drittens: die indirekten Folgen. Die Aufmerksamkeit und die Ressourcen richten sich auf diesen jüngsten Krieg — in einer Welt, in der es ohnehin nicht an Krisen mangelt. Die katastrophale humanitäre Lage in anderen Krisenkontexten wie Sudan und Gaza droht auf der globalen Agenda weiter nach unten zu rutschen. Diese Krisen verbessern sich nicht, sie spitzen sich zu – und die Folgen dieses Krieges sowie mangelnde diplomatische und finanzielle Aufmerksamkeit verschärfen sie weiter.

Dieser Krieg kostet nach weit verbreiteten Schätzungen täglich etwa 860 Millionen Euro. Gleichzeitig hat die gesamte weltweite humanitäre Hilfe in diesem Jahr bisher weniger als rund vier Milliarden Euro erhalten. Das entspricht in etwa den Kosten von fünf Tagen Krieg. Selbst ein Bruchteil dieser Mittel könnte einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der humanitären Not leisten, die durch diesen Konflikt noch verschärft wird.”  

International Rescue Committee ruft zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Sicherstellung der humanitären Hilfe auf. Dazu gehört unter anderem: