Beirut, Libanon, 18. März 2026 — Eine Million Vertriebene in Libanon innerhalb von nur zwei Wochen – eine der schnellsten Vertreibungskrisen, die das Land je erlebt hat. International Rescue Committee (IRC) warnt, dass die ohnehin schon fragilen Versorgungsstrukturen im Land überlastet werden und die Bevölkerung weiter in Gefahr gerät. Die tatsächliche Zahl der Vertriebenen dürfte deutlich höher liegen – die Angabe von einer Million bezieht sich lediglich auf diejenigen, die sich bei der Regierung registriert haben.
Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Vertreibung stellen Gemeinden in ganz Libanon vor enorme humanitäre Herausforderungen. Familien fliehen mit kaum mehr als der Kleidung, die sie tragen. Seit der Eskalation der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hisbollah treiben israelische Luftangriffe und Evakuierungsbefehle Familien in weiten Teilen von Südlibanon aus ihren Häusern – oft ohne klare Aussicht auf eine sichere Rückkehr.
Tausende geflüchtete Menschen sind nach wie vor ohne angemessene Unterkunft – sie schlafen im Freien, auf der Straße, in Zelten oder in ihren Autos. Andere suchen Zuflucht in Schulen, unfertigen Gebäuden und überfüllten Häusern oder sind in ausgelasteten, schlecht ausgestatteten Sammelunterkünften untergebracht – mit nur eingeschränktem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen und kaum Privatsphäre. Die lokale Infrastruktur kann kaum die steigenden Bedarfe decken.
Magda Rossmann, IRC-Landesdirektorin für Libanon, kommentiert: „Eine Million Binnenvertriebene in Libanon innerhalb von nur zwei Wochen ist eine schockierende und zutiefst beunruhigende Zahl. Besonders alarmierend sind die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Vertreibung – ein humanitärer Wendepunkt für Libanon.
Mehr als 300.000 Kinder wurden bereits aus ihren Häusern vertrieben. Viele Familien fliehen nicht zum ersten Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren. Für Kinder bedeutet eine erneute Vertreibung wachsende Belastung – ihre Schulbildung wird unterbrochen, ihre Zukunft bleibt ungewiss.
Die Zivilbevölkerung darf nicht weiterhin den Preis für die eskalierende Gewalt zahlen. Alle Konfliktparteien müssen aufhören, Zivilist*innen in Gefahr zu bringen. Jeder Tag der Gewalt treibt weitere Familien in die Flucht. Sie kommen erschöpft und verängstigt an – oft mit nichts außer dem, was sie tragen. Eltern versuchen, ihre Kinder zu trösten, die über Nacht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wurden und nicht wissen, wo sie schlafen werden oder ob sie nach Hause zurückkehren können.
IRC versucht, den immensen Bedarfen zu begegnen. Doch sie wachsen von Tag zu Tag. Die internationale Gemeinschaft muss dringend die notwendige Unterstützung bereitstellen, damit die vertriebenen Familien in dieser Krise nicht allein gelassen werden.“
Als Reaktion auf die sich verschärfende Krise haben die Vereinten Nationen und humanitäre Partnerorganisationen einen Soforthilfe-Aufruf in Höhe von rund 267,3 Millionen Euro für den Zeitraum März bis Mai 2026 gestartet. Damit soll bis zu einer Million betroffener Menschen lebenswichtige Hilfe und Schutz erhalten.
Hinter den erschütternden Zahlen stehen Familien, die bereits zu viel verloren haben. IRC fordert dringend den Schutz der Zivilbevölkerung und ein Ende der Gewalt. Es muss verhindert werden, dass noch mehr Kinder in einer Welt der Vertreibung aufwachsen – statt in Stabilität, Sicherheit und mit der Chance auf einen Neuanfang.