Auf der gestrigen internationalen Sudan-Konferenz in Berlin wurden insgesamt 1,53 Milliarden Euro für die Sudan-Krise zugesagt. International Rescue Committee (IRC) Deutschland begrüßt diese Schritte, warnt jedoch: Angesichts des Ausmaßes der Krise in Sudan, inklusive der Auswirkungen auf die Nachbarländer, sind die Zusagen bei weitem nicht ausreichend. Während der Konflikt weiter eskaliert und der humanitäre Zugang eingeschränkt bleibt, kürzen viele Geberländer gleichzeitig ihre Budgets. Auch Deutschland hat seine Mittel für weltweite humanitäre Hilfe seit 2025 mehr als halbiert und die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit drastisch gekürzt. IRC appelliert an die Bundesregierung, wie im Bundeshaushalt zugesagt, auf Krisen entschlossen zu reagieren und die Haushaltsmittel bei Bedarf gezielt aufzustocken.

Der Bedarf in Sudan ist enorm. Der humanitäre Hilfsplan für 2025 war nur zu 39,5 Prozent finanziert, der Plan für 2026 steht aktuell bei 16 Prozent. Laut der UN werden für 2026 fast 2,5 Milliarden Euro für den humanitären Hilfsplan benötigt, zusätzlich zu fast 1,4 Milliarden Euro für den regionalen UN Hilfsplan für Geflüchtete. Selbst mit den gestrigen finanziellen Zusagen wäre der Hilfsplan nur zu 47 Prozent finanziert - und der Bedarf an lebensrettender Hilfe kann damit nicht gedeckt werden. Somit werden im Laufe des Jahres zusätzliche Mittel benötigt werden, sowohl für lebensrettende Maßnahmen als auch, wo möglich, um die Bedarfe für den frühen Wiederaufbau zu decken.

Die bevorstehende Regenzeit verschärft die Lage zusätzlich: In vielen Regionen des Landes werden Straßen unpassierbar, ganze Landesteile sind wochenlang nur schwer oder gar nicht erreichbar. Hilfsgüter, die nicht rechtzeitig vor Beginn der Regenfälle in die betroffenen Gebiete gelangen, können später oft nicht mehr verteilt werden. Deshalb müssen neu zugesagte Mittel sofort und planbar freigegeben werden, damit lokale und internationale Organisationen Vorräte anlegen und Transportwege sichern können. Ohne die Finanzierung auf die Regenzeit anzupassen, drohen lebensrettende Maßnahmen zu scheitern, bevor sie überhaupt beginnen.

IRC Deutschland fordert daher substanzielle zusätzliche Mittel, insbesondere für lokale sudanesische Organisationen und von Frauen geführte Gruppen, die unter hohem Risiko Menschen in jenen Regionen des Landes erreichen, in denen internationale Organisationen kaum präsent sein können.

Die Gespräche und finanziellen Zusagen der gestrigen Konferenz setzen ein wichtiges Signal, um das Leid der Zivilbevölkerung im Sudan zu lindern. Gleichzeitig blieben zentrale Punkte offen: Es gab weder konkrete Schritte hin zu einer humanitären Waffenruhe noch verbindliche Zusagen für einen verlässlichen Zugang für Hilfsorganisationen. Damit markiert die Konferenz einen ersten, notwendigen Impuls, doch es müssen rasch weitere, verbindliche Maßnahmen folgen.

Die humanitäre Lage in Sudan verschlechtert sich seit dem Kriegsausbruch dramatisch: fast 14 Millionen Menschen wurden vertrieben, 4,5 Millionen suchen Schutz in Nachbarländern. Im ganzen Land wurde zivile Infrastruktur zerstört. Zwölf Millionen Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, sind von konfliktbedingter sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet unter akuter Mangel- oder Unterernährung; weitere Regionen stehen vor einer Hungersnot. 

Helena Lüer, Politische Beraterin bei IRC Deutschland, kommentiert: 

„Die gestrigen Zusagen sind wichtig - aber sie sind nicht annähernd genug. Die Menschen in Sudan erleben eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt, und die internationale Gemeinschaft, auch Deutschland, hat viel zu lange weggesehen. Die drastischen Kürzungen für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem von der Bundesregierung, haben auch Auswirkungen auf die Versorgung der Menschen in Sudan. 

Die Hilfe muss jetzt ankommen. Unsere Teams vor Ort berichten, wie drastisch sich die bald einsetzende Regenzeit auf die Menschen auswirkt. In vielen Regionen stehen Dörfer tagelang unter Wasser, improvisierte Unterkünfte brechen ein, und Familien verlieren erneut das Wenige, das ihnen geblieben ist. Wege, die gestern noch passierbar waren, sind heute abgeschnitten. Für schwangere Frauen, chronisch kranke oder verletzte Menschen bedeutet das oft, dass medizinische Hilfe schlicht nicht mehr erreichbar ist.

Ohne ausreichend finanzielle Mittel können Hilfsorganisationen diese kritischen Wochen nicht überbrücken: Vorräte müssen vorab eingelagert, alternative Routen vorbereitet und lokale Partner gestärkt werden, bevor der Regen alles zum Erliegen bringt. Jede Verzögerung bei der Bereitstellung von Mitteln hat unmittelbare Folgen - für Menschen, die in der Regenzeit buchstäblich von der Außenwelt abgeschnitten werden. 

Und auch wenn es begrüßenswert ist, dass die Konferenz dringend benötigte Mittel mobilisiert und lokale Hilfsnetzwerke stärkt: Jetzt braucht es entschlossenes diplomatisches Handeln, um Deeskalation, den Schutz der Zivilbevölkerung und humanitären Zugang zu ermöglichen. Ohne entschlossenes politisches Engagement bleibt humanitäre Hilfe ein Wettlauf gegen die Zeit.”