Berlin, 8. Januar 2026 — Morgen sind es 1.000 Tage seit Ausbruch des bewaffneten Konflikts in Sudan. Der Krieg zerstört Leben, zerreißt Gemeinschaften und hat die größte humanitäre Krise weltweit ausgelöst. Was als tödlicher Machtkampf zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) begann, hat sich zu einer umfassenden humanitären Katastrophe entwickelt. Massenvertreibung, Hungersnot und weit verbreitete Gewalt prägen das Land.
In ganz Sudan sind die Gesundheitssysteme zusammengebrochen und Abwasser- und Wasserversorgungssysteme zerstört. Krankheiten breiten sich in den überfüllten Geflüchtetenlagern aus. Der humanitäre Bedarf übersteigt die verfügbaren Ressourcen bei weitem. Ohne eine drastische Aufstockung der Hilfsgelder und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe werden weitere Menschen ihr Leben verlieren und Gemeinschaften zerstört werden.
Bob Kitchen, Vizepräsident für Notfalleinsätze bei International Rescue Committee (IRC), besuchte kürzlich Darfur und kommentiert:
„Tausend Tage Krieg sind tausend Tage des Scheiterns. Vor Ort erlebte ich eine eindringliche Konvergenz: Mengen von Menschen, die vor Konflikten flohen, und Konvois humanitärer Hilfe, die aufeinander zubewegten. Familien flohen mit allem, was sie tragen konnten, nach Süden. Gleichzeitig waren unsere Teams gezwungen, über Bergpässe nach Norden vorzudringen, um medizinische Versorgung, sauberes Wasser und finanzielle Hilfe bereitzustellen.
Die Stadt El Fasher in Nord-Darfur, einst Heimat von mehr als einer Million Menschen, ist zu einem düsteren Symbol für den katastrophalen Krieg. Geflüchtete in Tawila berichteten von systematischer sexualisierter Gewalt, Hinrichtungen, Zwangsrekrutierungen und von Kindern, die auf der Flucht von ihren Familien getrennt wurden.
Diese Menschen haben unvorstellbare Grausamkeiten überlebt. Dennoch sind sie entschlossen, ihre Familien zu schützen.
Die Welt darf nicht wegsehen. Die Zivilbevölkerung zahlt den höchsten Preis für einen Konflikt, den sie nicht gewählt hat. Es braucht entschlossenes internationales Handeln, ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe, aufgestockte Hilfsgelder und echten diplomatischen Druck auf diejenigen, die diese Krise schüren. Die Menschen in Sudan verdienen Sicherheit, Würde und die Chance, ihr Leben wieder aufzubauen.“
Die IRC-Emergency Watchlist 2026 zeigt: Sudan ist ein deutliches Symbol für die „neue Welt(un)ordnung“:
- Kriegsparteien und regionale Verbündete profitieren weiterhin von Konflikten;
- Diplomatie scheitert wiederholt an nicht eingehaltenen Waffenruhen, Profitinteressen, Vetos im UN-Sicherheitsrat und fragmentierten Vermittlungsbemühungen; und
- Die Humanitäre Hilfsmittel wurden in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gekürzt, wodurch Millionen Menschen ohne überlebenswichtige humanitäre Hilfe auskommen müssen.
IRC fordert sofortige und nachhaltige internationale Maßnahmen: Die Aufstockung humanitärer Hilfsmittel, das Gewährleisten sicherer Fluchtwege für Zivilist*innen und diplomatischer Druck auf alle Konfliktparteien und ihre Unterstützer. Nur so lassen sich der weitere Verlust von Menschenleben verhindern und nachhaltige Perspektiven für Frieden schaffen.
IRC in Sudan
IRC ist seit Jahrzehnten in Sudan tätig und hat die Programmarbeit seit Ausbruch des Krieges im April 2023 drastisch ausgeweitet. IRC bietet Gesundheits- und Ernährungsdienste, Wasser- und Sanitärversorgung (WASH), Schutz und wirtschaftlichen Wiederaufbau, unter anderem durch mobile Kliniken und Partnerschaften mit lokalen Organisationen in Darfur, Blue Nile, Gedaref, Gerzira, South Kordofan, White Nile, River Nile und Port Sudan.