Juan Gabriel Wells, Landesdirektor von International Rescue Committee (IRC) für Syrien, kommentiert

„Allein in den vergangenen zwei Tagen wurden mehr als 30.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Sie suchen Sicherheit in anderen Teilen Aleppos sowie in benachbarten Städten. Mindestens 1.100 Menschen sind derzeit in überfüllten Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Viele dieser Einrichtungen sind unzureichend ausgestattet und können den dringenden Bedarf der neu ankommenden Menschen nicht decken.

Nach mehr als einem Jahrzehnt des Konflikts befindet sich Aleppo im Wiederaufbau. Die Stadt kann eine weitere Welle der Zerstörung nicht verkraften. Die Bewohner*innen Aleppos – darunter mehr als 190.000 Menschen, die im vergangenen Jahr zurückkehrten und auf einen Neuanfang hofften – gingen mit dem Wunsch nach Frieden und Stabilität ins Jahr 2026. Stattdessen sehen sich viele erneut mit Vertreibung, Unsicherheit und Ungewissheit konfrontiert. Die jüngste Eskalation droht, diese Hoffnungen innerhalb kürzester Zeit zu zerstören. Gleichzeitig nehmen die humanitären Bedarfe deutlich zu. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Hilfsmaßnahmen bereits massiv unterfinanziert und überlastet sind.

Zivilist*innen und zivile Infrastruktur müssen geschützt werden. IRC fordert alle Konfliktparteien und  einflussreichen Akteur:innen nachdrücklich auf, die Gewalt unverzüglich zu beenden und einen sicheren sowie nachhaltigen humanitären Zugang für Menschen in Not zu gewährleisten. Gleichzeitig muss die internationale Gemeinschaft ihre diplomatischen Bemühungen dringend verstärken, um eine weitere Eskalation zu verhindern, und die finanziellen Mittel deutlich aufstocken, um humanitäre Hilfe in ganz Syrien sicherzustellen.”

Aufgrund der zunehmenden Gewalt waren IRC und lokale Partnerorganisationen gezwungen, die humanitären Einsätze in der Stadt vorübergehend auszusetzen. IRC beobachtet die Lage und steht bereit, lebenswichtige Hilfe wieder aufzunehmen, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.