Familien sind mehrfach zur Flucht gezwungen, weil sich die Kampfhandlungen über die Westküste, Taiz und weitere Gebiete ausbreiten
Schulen werden zu Notunterkünften genau zu Schuljahresbeginn; der Unterricht für Kinder fällt unbefristet aus
IRC fordert Schutz für Zivilist*innen und verlässliche Finanzierung für die Nothilfe
Aden, Jemen, 14. September 2026 — Seit die Kampfhandlungen zwischen Ansar Allah und der international anerkannten Regierung Anfang September eskalierten, wurden in Jemen über 80.000 Menschen vertrieben, meldet International Rescue Committee (IRC).
Die neuen Fluchtbewegungen folgen auf den Fall der strategisch wichtigen Hafenstadt Al Mokha. Viele Familien werden damit bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen vertrieben. Ankommende Familien berichten, dass ihnen keine Zeit blieb, ihre Habseligkeiten mitzunehmen. Viele mussten ihr Vieh und ihre Existenzgrundlage zurücklassen.
„Familien in Jemen werden immer wieder zur Flucht gezwungen. Ihre Kinder zahlen dafür zweifach: einmal mit ihrer Sicherheit, nochmal mit ihrer Bildung", sagt Caroline Sekyewa, IRC-Landesdirektorin für Jemen. „Die Familien suchen Schutz, wo immer sie können. Manche haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf."
Die Krise trifft zuerst Gemeinden, die bereits vor Ausbruch der Kampfhandlungen unter Druck und mit kaum Ressourcen standen1. Gleichzeitig sind Hilfsorganisationen bereits jetzt an ihren Kapazitätsgrenzen, und die Hilfsmittel halten mit dem wachsenden Bedarf nicht Schritt.
Schulen werden zu Notunterkünften – genau dann, wenn das neue Schuljahr beginnen sollte. Kindern fehlen damit an einem entscheidenden Punkt ihrer Bildung die Klassenzimmer. Viele dieser Kinder wurden bereits mindestens einmal zuvor vertrieben und für diese neue Unterbrechung gibt es kein absehbares Ende.
IRC fordert alle Konfliktparteien auf, Zivilist*innen und zivile Infrastruktur zu schützen und humanitäre Helfer*innen sicheren, ungehinderten Zugang zu den betroffenen Bevölkerungen zu ermöglichen. Geberregierungen müssen die Finanzierung aufrechterhalten und dringend erhöhen, damit humanitäre Akteure mit der sich vertiefenden Krise Schritt halten können.
IRC in Jemen
IRC baut die Programmarbeit in Jemen aus. In Aden gehört dazu Bargeldhilfe für vertriebene Familien. Zusätzlich sind mobile Gesundheitsteams in Aden, Lahj, Al Dhale'e und Abyan im Einsatz. IRC leistet in Abyan, Al Dhale'e, Lahj und Shabwah trotz anhaltende Zugangsbeschränkungen weiterhin Gesundheits-, Ernährungs- und Schutzprogramme, um neu vertriebene Familien zu erreichen und den humanitären Bedarf zu decken.
1 Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen sind besonders gefährdet: Die Flucht unterbricht ihren Zugang zu grundlegender Unterstützung und Schutz.