• Mehr als 70 Prozent der epidemienanfälligen Krankheiten treten inzwischen in fragilen und konfliktbetroffenen Ländern auf, wo geschwächte Gesundheitssysteme eine unentdeckte Ausbreitung über Grenzen hinweg begünstigen, etwa bei Ebola.

  • IRC und Partnerorganisationen haben mehr als 40 Millionen Impfdosen an Kinder in Krisenkontexten geliefert, die bislang nicht grundimmunisiert waren.

  • IRC fordert Entscheidungsträger*innen beim World Health Summit auf, die Gesundheitsfinanzierung für Krisenkontexten wieder aufzustocken, zugesagte Ebola-Mittel auszuzahlen und mit humanitären Organisationen zusammenzuarbeiten.

Zum World Health Summit in Berlin warnt International Rescue Committee (IRC): Die drastischen Kürzungen in der globalen Gesundheitsfinanzierung gefährdet Menschenleben in fragilen und konfliktbetroffenen Ländern weltweit.

Die Folgen zeigen sich bereits: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat sich der Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus auf sieben Provinzen ausgebreitet; auch die Nachbarländer Uganda und Kenia sind betroffen. Für diesen Stamm gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Seit der ersten bestätigten Infektion im Mai haben sich fast 8.500 Menschen infiziert, mehr als 4.000 sind gestorben.

„Jeder Euro, der in fragilen Staaten bei der Gesundheit gekürzt wird, gefährdet weltweit Leben und Existenzgrundlagen“, sagt Alyoscia D’Onofrio, IRC-Vizepräsident und Leitung Technical Excellence. „Resilienz entsteht dort, wo Krisen beginnen. Doch selbst an schwer zugänglichen Orten lassen sich Kinder impfen, wenn die Mittel dafür da sind.“

Wie das gelingen kann, zeigt das Konsortium Reaching Every Child in Humanitarian settings (REACH)1, das inzwischen mehr als 40 Millionen Impfdosen an Kinder in sechs Konfliktländern geliefert hat; vor einem Jahr waren es 20 Millionen. Als REACH 2022 startete, konnten Hilfsrganisationen nur 16 Prozent der 156 Zielgemeinden erreichen – heute sind es alle.

Doch diese Fortschritte sind in Gefahr: Geberregierungen haben ihre Gesundheitsbudgets auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gekürzt. Dadurch wächst die Ungleichheit zwischen fragilen und stabilen Ländern, bei der Gesundheitsversorgung ebenso wie bei der Gesundheit der Menschen. Allein in Afghanistan ist die Zahl der von IRC unterstützten Gesundheitseinrichtungen 2025 um 70 Prozent gesunken.

Mehr als 70 Prozent aller Krankheitsausbrüche mit Epidemie-Risiko wie Cholera, Masern oder Meningitis entfallen auf fragile und konfliktbetroffene Länder. Dort wächst jedes fünfte Kind der Welt auf. Diese Kinder sterben dreimal so häufig wie Gleichaltrige in stabilen Ländern und erhalten dreimal seltener überhaupt Routineimpfungen. Auch die Müttersterblichkeit ist fünfmal so hoch wie in stabilen Ländern. 

Beim World Health Summit fordert IRC die deutsche Bundesregierungen und ihre Partnerregierungen, Geber und multilaterale Institutionen auf:

1 Finanziert wird REACH von der Impfallianz Gavi, geleitet wird es von IRC. Das Konsortium wurde für Gemeinden aufgebaut, die staatliche Gesundheitssysteme nicht sicher erreichen können, wo es teilweise seit mehr als zehn Jahren keine Impfungen mehr gab.