Wiederholte israelische Luftangriffe und Evakuierungsbefehle in Tyrus haben unter der Bevölkerung Panik ausgelöst: Familien erhalten keine ausreichende Vorwarnung, sind kaum in der Lage, Angehörige zu schützen, und haben keine Zeit, überhaupt das Nötigste mitzunehmen. Viele wurden bereits mehrfach vertrieben und haben sämtliche Ressourcen aufgebraucht.

Mitarbeitende von International Rescue Committee (IRC) berichten, dass in Tyrus die meisten Geschäfte geschlossen sind; im benachbarten Saida haben Menschen, Ersparnisse, Schmuck und Möbel verkauft – nur um Lebensmittel, Wasser und Medikamente kaufen zu können.

„Familien in Tyrus wurden bereits mehrfach zur Flucht gezwungen, haben ihre Ersparnisse aufgebraucht und alles verkauft, was sie noch besaßen"sagt Josephine Haddad, Koordinatorin für Politik, Interessenvertretung und Kommunikation bei IRC Libanon. „Ich traf Duha, eine Mutter, die mit ihren zwei Kindern in einer Notunterkunft lebt, kein Geld mehr hat und ihren Kindern nur noch eine Mahlzeit am Tag geben kann. Schon vor den Evakuierungsbefehlen am 9. Juni war die Lage für viele Familien kaum zu bewältigen. Jetzt droht der vollständige Verlust jeglicher Versorgung."

IRC-Mitarbeitende und Partnerorganisationen vor Ort berichten von einer drastischen Verschlechterung der psychischen Gesundheit: schwere Depressionen, Trauer und Traumata infolge des Verlustes von Angehörigen und jeglicher Sicherheit und der anhaltenden Ungewissheit des Alltags. Es sind bereits über eine Million Menschen in Libanon vertrieben; die neuen Zwangsvertreibungen bringen weitere Menschen in zunehmend prekäre und aussichtslose Situationen. 

IRC fordert alle Konfliktparteien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und die ungehinderte Fortführung humanitärer Hilfe in Südlibanon zu sichern – einschließlich der Versorgung der Menschen, die in Tyrus verblieben sind. Eine Unterbrechung des humanitären Zugangs wäre katastrophal.

IRC in Libanon

IRC weitet die Programmarbeit in Tyrus und in ganz Südlibanon aus. Dazu gehören Bargeldhilfe, Unterstützung für Gesundheitseinrichtungen, psychosoziale Begleitung sowie die Bereitstellung von Hygieneartikeln.