Die Luftfrachtkapazitäten auf zentralen Lieferrouten sind um bis zu 50 Prozent zurückgegangen
Seetransporte, die die Straße von Hormus umgehen, sind aufgrund höherer Versicherungsprämien bis zu viermal teurer
Containerkosten auf Routen in den Nahen Osten sind um bis zu 316 Prozent gestiegen
Luftfrachtkosten sind im Jahresvergleich um 40 bis 62 Prozent gestiegen
Die geschätzten Kriegskosten von über 21 Milliarden Euro könnten den globalen humanitären Finanzierungsbedarf decken und 87 Millionen Menschen mit lebenswichtiger Hilfe versorgen
Berlin, 6. Mai 2026 — Zwei Monate nach Ausbruch des Iran-Kriegs treiben unterbrochene Lieferketten, steigende Kraftstoffpreise und gravierende Versorgungsengpässe die Kosten humanitärer Hilfe in die Höhe. Die operativen Ausgaben von International Rescue Committee (IRC) sind um bis zu 50 Prozent gestiegen und belasten die ohnehin schon knappen Ressourcen erheblich. Besonders betroffen ist der wichtige Logistikknotenpunkt Dubai, dessen Einschränkungen infolge des Konflikts und der Blockade der Straße von Hormus die Kosten für Hilfslieferungen weiter erhöhen – während gleichzeitig der humanitäre Bedarf in Krisenkontexten wie Sudan weiter wächst.
Ciaran Donnelly, IRC-Senior Vizepräsident für Krisenreaktion, Wiederaufbau und Entwicklung, kommentiert:
„Die anhaltenden Störungen der regionalen Lieferketten beeinträchtigen unsere Programmarbeit zunehmend und unmittelbar. Besonders betroffen sind Treibstoff, Arzneimittel, therapeutische Fertignahrung (RUTF, Ready-to-Use Therapeutic Foods) und lebenswichtige medizinische Güter.
„Lieferungen verzögern sich erheblich oder müssen aufwendig umgeleitet werden: Eine IRC-Arzneimittelsendung steckte wochenlang in Dubai fest, bevor sie über Oman schließlich nach Sudan transportiert werden konnte. Seit Anfang April stecken Lieferungen von Medikamenten und RUTF für unsere Programmarbeit in Tschad aufgrund ausgesetzter internationaler Flüge und begrenzter Frachtkapazitäten fest. Gleichzeitig führen Überlastungen in wichtigen Häfen – darunter Mombasa, Daressalam und die Häfen in Nigeria – zu verlängerten Liegezeiten von bis zu über 15 Tagen. Diese Verzögerungen wirken sich direkt auf unsere Einsätze in Ost- und Westafrika aus.”
IRC fordert Regierungen und alle beteiligten Akteure auf, humanitären Zugang bei Entscheidungen, die den Luftraum und die Seewege betreffen, sowie den Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung humanitärer Hilfe konsequent zu priorisieren. Dazu gehören:
- Einhaltung des humanitären Völkerrechts: Bis zur Einstellung der Feindseligkeiten sollten alle Konfliktparteien die Zivilbevölkerung sowie die zivile Infrastruktur schützen.
- Vorrangige Bereitstellung von Hilfsgeldern und -lieferungen: Dringend benötigte Mittel müssen schnell und flexibel bereitgestellt werden, um Nothilfe auszuweiten, Gesundheits- und Schutzdienste zu stärken und betroffene Familien mit Bargeldhilfen sowie lebenswichtigen Gütern zu unterstützen.