Nach drei Jahren Krieg geht es bei der Hungerkrise in Sudan nicht mehr nur von Nahrungsmittelknappheit – es geht um den systematischen Zusammenbruch des gesamten Ernährungssystems. Dieser gemeinsame Bericht von Aktion gegen den Hunger (ACF), CARE International, International Rescue Committee (IRC), Mercy Corps und dem Norwegian Refugee Council (NRC) zeichnet den Weg von Lebensmitteln von Bauernhöfen über Märkte bis auf die Tische von Haushalten nach. Der Bericht legt dar, wie Konflikt, Gewalt und der wirtschaftliche Zusammenbruch einst alltägliche Wege in riskante und oft tödliche Unternehmungen verwandelt haben. Der Bericht wurde auf der Grundlage umfangreicher Recherchen, darunter 80 Interviews mit Schlüsselinformant*innen und 40 Fokusgruppendiskussionen mit Landwirt*innen, Händler*innen, Vertriebenen und humanitären Akteuren erstellt. Er zeigt auf:  Bäuer*innen sind gezwungen, unter Beschuss zu arbeiten. Händler*innen sind mit Plünderungen und Erpressung konfrontiert. Familien ringen um den Zugang zu den grundlegendsten Nahrungsmitteln. In einigen der am stärksten betroffenen Gebiete, darunter Nord-Darfur und Süd-Kordofan, überleben Familien von einer Mahlzeit pro Tag oder weniger. Viele greifen auf Blätter oder Tierfutter zum Essen zurück, um am Leben zu bleiben.

Und obwohl das System kollabiert, gelingt es der sudanesischen Bevölkerung, es zusammenzuhalten. Landwirt*innen, Händler*innen, Frauengruppen und lokale Netzwerke riskieren ihr Leben, um Nahrungsmittel zu produzieren, zu transportieren und zu verteilen – und sichern so eine fragile Lebensader für Millionen von Menschen. Doch selbst diese Widerstandsfähigkeit stößt an ihre Grenzen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 28,9 Millionen Menschen – leidet mittlerweile unter akuter Ernährungsunsicherheit. In Teilen des Landes wurde bereits eine Hungersnot bestätigt. 

Der Bericht fordert dringende Maßnahmen zum Schutz der Ernährungssysteme, zur Gewährleistung eines sicheren Zugangs und zur Unterstützung lokal geführter Hilfsmaßnahmen. Ohne nachhaltige und koordinierte Interventionen wird der Zusammenbruch des sudanesischen Ernährungssystems den Hunger weiter verschärfen – mit verheerenden Folgen für Millionen von Menschen.