Vor drei Jahren haben wir die Familien von Iftu und Remedan in einem Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder, Äthiopien, getroffen. Beide Familien lebten mit den Folgen von Vertreibung – und mit den zusätzlichen Herausforderungen einer Behinderung. Damals sorgten sie sich sehr um ihre Kinder und hatten Schwierigkeiten, ihre grundlegendsten Bedarfe zu decken. Heute sind wir zurückgekehrt, um zu sehen, wie sich ihr Leben seither verändert hat.

Abdurahman Gidi (35), IRC-Gesundheits- und Ernährungsbeauftragter in der von IRC unterstützten Gesundheitseinrichtung in Deder. Iuna Viera/IRC

2023 übernahm Gesundheitsfachkraft Dr. Abdurahman die Zusammenarbeit mit einer lokalen Klinik. Für diese Aufgabe lebte er getrennt von seiner eigenen Familie – kein leichtes Opfer. Doch für ihn war klar: Die Menschen in Deder brauchten dringend Unterstützung.

Gesundheitsfachkraft Abdurahman im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder. Yilmazer Birhanu.

Drei Jahre später blickt Dr. Abdurahman mit Stolz auf das Erreichte zurück. Gemeinsam mit seinem Team wurde im Lager ein Schutz- und Begegnungszentrum für Frauen und Mädchen aufgebaut, Programme zum Kinderschutz eingerichtet, fließendes Wasser in die Gemeinde gebracht und durch medizinische Versorgung das Leben vieler Familien nachhaltig verbessert.

Für viele Menschen in Deder prägen Vertreibung und Verlust weiterhin den Alltag. Besonders für Menschen mit Behinderungen ist ein Neuanfang ohne soziales Netz enorm schwierig. In der von IRC unterstützten Gesundheitsklinik erleben Dr. Abdurahman und sein Team täglich, wie sich diese Lebensumstände auf die Gesundheit auswirken: Der Zugang zu Versorgung wird erschwert, Isolation nimmt zu und selbst gut behandelbare Erkrankungen können schwerwiegende Folgen haben.

Mangelernährung überwinden

Dr. Abdurahman und sein Team lernten Iftu erstmals kennen, als ihre Tochter Fidiya mit schwerer akuter Mangelernährung in die Klinik gebracht wurde. Iftu selbst war während der Flucht verletzt worden. „Ein kleiner Nagel hat mein Bein verletzt“, erzählt sie. Aufgrund der Vertreibung verzögerte sich die medizinische Behandlung. Als sie schließlich die Gesundheitsklinik in Deder erreichte, blieb dem Team keine andere Wahl, als ihr Bein zu amputieren, um ihr Leben zu retten.

Iftus Leben damals

Iftu und Fidiya (3) im Jahr 2023, als das IRC-Team bei Fidiya akute Mangelernährung mit schweren Wassereinlagerungen diagnostizierte.

Iftu und Fidiya (3) im Jahr 2023, als das IRC-Team bei Fidiya akute Mangelernährung mit schweren Wassereinlagerungen diagnostizierte.

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Gesundheitsfachkraft Dr. Abdurahman in der von IRC unterstützten Klinik mit Iftu und Fidiya am Tag des Behandlungsbeginns.

Gesundheitsfachkraft Dr. Abdurahman in der von IRC unterstützten Klinik mit Iftu und Fidiya am Tag des Behandlungsbeginns.

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Neben medizinischer Versorgung erhielt Iftu mehrere Runden Bargeldhilfe sowie Sachleistungen.

Neben medizinischer Versorgung erhielt Iftu mehrere Runden Bargeldhilfe sowie Sachleistungen.

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Die Amputation veränderte ihr Leben grundlegend. Ihr Mann verließ sie kurz darauf. Verwandte nahmen ihre beiden älteren Kinder auf, während Iftu mit ihrer jüngsten Tochter Fidiya im Lager blieb. Da sie nicht mehr laufen konnte, war es für Iftu kaum möglich, Geld zu verdienen. Fidiya entwickelte infolgedessen schwere Mangelernährung, sichtbar unter anderem durch Schwellungen im Gesicht.

2023 griff IRC ein: Iftu erhielt Bargeldhilfe, Haushaltsgegenstände sowie medizinische Unterstützung für sich und ihre Tochter. Fidiya wurde mit therapeutischer Spezialnahrung behandelt und engmaschig von Abdurahman und seinem Team begleitet.

Heute besucht Dr. Abdurahman Mutter und Tochter weiterhin regelmäßig und freut sich darüber, wie sehr sich ihr Leben verändert hat. Fidiya ist vollständig genesen: Nur ihre Zähne zeigen noch Spuren der Mangelernährung, die sie als Kleinkind erlebte. Sie hat viele Freund*innen gefunden und verbringt ihre Tage mit Spielen und Lernen. Ihre älteren Geschwister besuchen sie regelmäßig.

Iftu nimmt regelmäßig am Schutz- und Begegnungszentrum für Frauen und Mädchen teil. Dort fand sie Anschluss, lernte andere Frauen kennen und baute sich ein Netzwerk aus Nachbarinnen auf, die sie heute beim Wasserholen und im Alltag unterstützen.

Iftus Leben heute

Iftu und Fidiya warten auf eine Routineuntersuchung in der von IRC unterstützten Klinik.

Iftu und Fidiya warten auf eine Routineuntersuchung in der von IRC unterstützten Klinik.

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Dr. Abdurahman und Fidiya bei einer Vorsorgeuntersuchung.

Dr. Abdurahman und Fidiya bei einer Vorsorgeuntersuchung.

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Iftu und Fidiya im Frauenzentrum, wo Iftu lernt, traditionelle Körbe zu flechten, die sie auf dem lokalen Markt verkaufen kann.

Iftu und Fidiya im Frauenzentrum, wo Iftu lernt, traditionelle Körbe zu flechten, die sie auf dem lokalen Markt verkaufen kann.

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Fidiya (Mitte rechts) beim Spielen mit Freundinnen.

Fidiya (Mitte rechts) beim Spielen mit Freundinnen.

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2023 sagte Iftu: „Ich habe kaum Hoffnung, dass dieser Albtraum endet und meine Kinder eine glückliche Zukunft haben.“ Heute erlaubt sie sich wieder zu träumen, besonders für Fidiya: „Wenn sie groß ist, wünsche ich mir, dass sie Ärztin oder Beamtin wird."

Ein neues Leben nach der Vertreibung

Nur wenige Zelte weiter lebt Remedan mit seiner Frau Sartu und ihren drei Kindern Asmaa (12), Gurmesa (10) und Kindesa (5). Als Kind erkrankte Remedan an Polio, wodurch die Entwicklung seiner Beine beeinträchtigt wurde. Trotz der Einschränkungen beim Gehen konnte er in seiner Heimatstadt als Händler gut für seine Familie versorgen. Mit der Vertreibung verlor die Familie jedoch alles.

Im Lager fand Remedan keine Arbeit aufgrund seiner Behinderung. Während seine Frau Sartu lange Tage auf dem Markt arbeitete, um ihre Familie zu versorgen, blieb er zu Hause. Die Sorge, seine Kinder nicht versorgen und ihr Schulgeld nicht bezahlen zu können, ließ Remedan über ihre Zukunft verzweifeln.

Remedans Leben damals

Remedan Jibro (35) ruht sich an einem Baum inmitten des Geflüchtetenlagers für Binnenvertriebene in Deder, Äthiopien, aus.

Remedan litt im Jahr 2023 unter Depressionen und Isolation, weil er sich nicht mehr in der Lage sah, für seine Familie zu sorgen.

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Remedan Jibro (35) und Abdurahman Gidi, IRC-Gesundheits- und Ernährungsbeauftragter, sitzen vor Remedans Zuhause im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder, Äthiopien.

Abdurahman besuchte ihn regelmäßig zu Hause und begleitete ihn zur Behandlung in die lokale Gesundheitsklinik.

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Remedan erhält Bargeldhilfe.

Die Bargeldhilfe schenkte ihm neue Hoffnung, sein Geschäft wiederaufzubauen.

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Remedan mit seiner Familie in ihrer Unterkunft im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder, Äthiopien.

Remedan mit seiner Frau und drei Kindern im Jahr 2023.

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Auch seine Familie erhielt ab 2023 Unterstützung von IRC. Sartu nahm an Aktivitäten im Frauenzentrum teil und beide Eltern besuchten Workshops für Eltern, um ihre Kinder nach den traumatischen Erfahrungen der Vertreibung besser begleiten zu können.

Remedan wurde von Dr. Abdurahman und seinem Team medizinisch versorgt betreut und erhielt Krücken, die ihm wieder Selbstständigkeit ermöglichten. Dank der Bargeldhilfe baute er ein kleines Geschäft auf. Heute verkauft er Bodenmatten und Dachabdeckungen verkauft. Mit dem Einkommen kann er seine Kinder zur Schule schicken und in ihre Zukunft investieren.

Remedans Leben heute

Remedan mit seinen Krücken im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder.

Remedan heute: Dank seines kleinen Geschäfts kann er seine Familie wieder versorgen und trägt stolz ein T-Shirt der „Girls Shine“-Aktivitäten (einem IRC-Programm speziell für Mädchen), an denen seine Tochter Asama teilnimmt.

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RIC-Gesundheitsfachkraft Dr. Abdurahman besucht Remedan vor seiner Unterkunft im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder.

Dr. Abdurahman besucht Remedan, der gerade eine neue Lieferung Bodenmatten erhalten hat, die er weiterverkaufen kann.

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Ilili Ahmednur leitet eine Aktivität im Frauenzentrum im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder.

Da sie nun nicht mehr allein für das Familieneinkommen verantwortlich ist, hat Sartu Zeit, gemeinsam mit Iftu und anderen Frauen an Aktivitäten im Frauenzentrum teilzunehmen.

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Remedan und Sartu mit ihren zwei jüngeren Kindern.

Remedan und Sartu mit ihren zwei jüngeren Kindern. Tochter Asmaa fehlt, da sie noch in der Schule ist.

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Eine der größten Herausforderungen für Remedans Familie – und die gesamte Gemeinde – war der fehlende Zugang zu sauberem Wasser. Für Remedan war das Wasserholen aufgrund seiner Behinderung nahezu unmöglich. Da Sartu arbeitete, mussten oft die Kinder lange und teils gefährliche Wege zurücklegen.

„Damals hatte ich Angst, dass meine Kinder beim Wasserholen in Schwierigkeiten geraten“, erinnert sich Remedan. Heute hat sich das geändert: IRC installierte Wasserreservoirs und solarbetriebene Pumpen und versorgt die Gemeinde mit über 13 Wasserstellen. „Heute sind wir glücklich, Wasser hier zu haben. Wir müssen nicht mehr weit gehen. Dieses Wasser bedeutet alles für uns. Ich werde das nie vergessen. Ohne das IRC-Team wäre ich heute nicht hier.“

Kindesa klettert auf einer Wasserleitung im Geflüchtetenlager für Binnenvertriebene in Deder.

Remedans jüngster Sohn Kindesa im Jahr 2023, als die Wasserleitungen trocken waren und von den Kindern als Klettergerüst genutzt wurden.

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Kindesa an einer der 13 Wasserstellen, die IRC in der Gemeinde eingerichtet hat.

Kindesa drei Jahre später an einer der 13 Wasserstellen, die IRC in der Gemeinde eingerichtet hat.

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Kindesa wäscht sich.

Kindesa genießt ein Bad.

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Der Alltag für Iftus und Remedans Familien bleibt herausfordernd. Doch die Unterstützung aus ihrer Gemeinde und durch IRC-Mitarbeitende gibt ihnen neue Stabilität und Zuversicht – sowie die Chance auf eine bessere Zukunft.

Über das Projekt

Das IRC-Projekt in Deder und Aba Roba ist Teil des regionalen Afrikaprojekts, das in neun afrikanischen Ländern umgesetzt wird: Äthiopien, Burkina Faso, Burundi, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Südsudan, Sudan und Tansania.

Allein in Äthiopien erreichte das Projekt fast 50.000 Menschen, viele von ihnen Binnenvertriebene, mit besonderem Fokus auf Frauen und Kinder.

Das Projekt konzentriert sich auf medizinische Versorgung und Schutzangebote für Frauen und Kinder. Bargeldhilfen und Hygiene-Kits unterstützen Familien dabei, ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu sichern. Gleichzeitig wird der Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser ermöglicht, etwa durch Notwasserlieferungen sowie den Bau und die Reparatur von Wasserversorgungssystemen. Gemeinsam tragen diese Maßnahmen dazu bei, dass Familien akute Notlagen bewältigen, ihr Leben neu ordnen und sichere, stabile Perspektiven für ihre Kinder schaffen können.

Drohnenaufnahmen vom Binnenvertriebenenlager Kyra in Deder zeigen Wasserreservoirs und solarbetriebene Pumpen.
Drohnenaufnahmen zeigen das Binnenvertriebenenlager Kyra in Deder. IRC installierte mehrere Wasserreservoirs und solarbetriebene Pumpen und versorgt die Gemeinde über 13 Wasserstellen.
Foto: Yilmazer Birhanu