Der drastische Rückgang humanitärer Hilfe und internationaler Hilfsmittel führt in Teilen Südsudans zu einem alarmierenden Anstieg von Hunger und Unterernährung. International Rescue Committee (IRC) warnt vor einer sich verschärfenden Ernährungsunsicherheit in Südsudan. Bewaffnete Konflikte, Überschwemmungen, wirtschaftlicher Abschwung sowie wiederholte  Unterbrechungen der Hilfslieferungen verschärfen die ohnehin prekäre humanitäre Lage weiter.

Neuen Prognosen zufolge werden bis Mai 2026 nahezu die Hälfte der 35 südsudanesischen Bezirke von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein –  mehr als doppelt so viele wie im Dezember 2025. In schwer zugänglichen Gebieten in Nasir und Fangak wird von einer bevorstehenden Hungersnot ausgegangen. 

Die Sicherheitslage ist zunehmend instabil. Wiederholte Gewalt und Unsicherheit behindern Hilfslieferungen, führen zur Unterbrechung lebenswichtiger Nahrungsmittelhilfe und zwingen Organisationen immer wieder zur Evakuierung von Mitarbeitenden aus Teilen des Upper Nile und Jonglei. Dies schränkt die Wirksamkeit der dringend benötigten Hilfe erheblich ein.

Richard Orengo, IRC-Landesdirektor in Südsudan, sagt: „Es ist zutiefst alarmierend, dass in Bezirken wie Nasir bis Mai 2026 die Gefahr einer Hungersnot der höchsten Stufe (IPC-Phase 5) bestehen bleibt. Bleibt der Zugang für humanitäre Hilfe aufgrund der unsicheren Lage blockiert oder erheblich eingeschränkt, ist eine Hungersnot absehbar. Gleichzeitig hat der sich verschärfende Konflikt im benachbarten Sudan neue Fluchtbewegungen nach Südsudan ausgelöst. Der Konflikt bedroht weiterhin die für die südsudanesische Wirtschaft wichtigen Ölexporte, die über Sudan transportiert werden. Anhaltende Unterbrechungen treiben die Lebensmittelpreise weiter in die Höhe, verschärfen die wirtschaftliche Not und stürzen mehr Gemeinden in eine katastrophale Hungerkrise.

Südsudan steht an einem Wendepunkt. Landesweit beobachten wir alarmierend hohe Raten akuter Unterernährung – verursacht durch anhaltende Konflikte, klimatische Extrembedingungen, steigende Preise und wiederholte Unterbrechungen der Hilfslieferungen. Ohne sicheren Zugang und dringend benötigte Aufstockung der Hilfsmittel werden weitere Familien in eine humanitäre Katastrophe abrutschen und Menschenleben verloren gehen. Das können wir vermeiden.

Die Entwicklung ist eindeutig und zutiefst beunruhigend. Mit rechtzeitigen Hilfsmitteln, sicherem humanitären Zugang und anhaltender internationaler Aufmerksamkeit können wir eine Hungersnot verhindern und die Zukunft unzähliger Kinder schützen. Die Welt darf jetzt nicht wegsehen.“

Südsudan steht auf der IRC-Emergency Watchlist 2026 an dritter Stelle der Krisen, in denen sich die humanitäre Lage voraussichtlich am stärksten verschlechtern wird. Gleichzeitig drohen Hilfskürzungen dringend benötigte Hilfsmaßnahmen für die Dürreperiode 2026 zu verzögern. Die geplante Ausweitung der Hilfe auf weitere 18 Bezirke könnte sich bis Mai verzögern – genau zu dem Zeitpunkt, an dem der humanitäre Bedarf voraussichtlich seinen Höhepunkt erreicht.

IRC fordert Geberstaaten und die internationale Gemeinschaft auf, die Finanzierung lebenswichtiger Maßnahmen in den Bereichen Ernährung-, Gesundheit- und Nahrungsmittelhilfe unverzüglich aufzustocken und auf einen ungehinderten humanitären Zugang in ganz Südsudan zu drängen. Zugleich appelliert IRC an die südsudanesische Regierung, die Umsetzung des Friedensabkommens von 2018 voranzutreiben, um die Stabilität des Landes zu gewährleisten. 

IRC in Südsudan

Seit über drei Jahrzehnten steht IRC den Gemeinden in Südsudan zur Seite. Als einer der größten humanitären Akteure des Landes erreicht IRC über eine Million Menschen mit Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Schutz, Bildung und wirtschaftliche Stärkung. IRC begegnet der Unterernährung in Südsudan vor allem durch integrierte Gesundheits- und Ernährungsdienste. Dazu zählen Bargeldhilfen für Lebensmittel, gemeindebasierte Behandlung von akuter Unterernährung, die Unterstützung von Stabilisierungszentren für schwer unterernährte Kinder sowie gezielte Ernährungsprogramme für Mütter und Säuglinge. Ergänzend leisten IRC-Teams Aufklärungsarbeit, um gefährdete Kinder frühzeitig zu identifizieren und weiterzuverweisen. Darüber hinaus stellt IRC Schutzdienste bereit, sorgt für sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygienedienste (WASH) und arbeitet eng mit lokalen Gemeinden zusammen, um Krankheitsausbrüche zu verhindern, die Unterernährung verschärfen können –  insbesondere während Dürre- und Überschwemmungszeiten.