Der Zugang zu sauberem Wasser, angemessenen sanitären Einrichtungen und Hygiene (WASH) ist ein grundlegendes Menschenrecht. Dennoch muss eine alarmierende Zahl von weltweit 785 Millionen Menschen auf unsicheres Trinkwasser zurückgreifen und fast 2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen.

Humanitäre Hilfsorganisationen verwenden das Akronym „WASH“, kurz für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, um diese menschlichen Bedarfen zu benennen.

International Rescue Committee (IRC) betont, wie dringlich es ist, Hindernisse abzubauen, die gefährdete Gemeinden auf der ganzen Welt vom Zugang zur WASH-Versorgung abhalten. 

Ein unzureichender Zugang zu sauberem Wasser, angemessenen sanitären Einrichtungen und guter Hygiene kann weitreichende negativen Folgen haben. Menschen in Gebieten mit schlechten WASH-Bedingungen haben ein höheres Risiko, an z.B. Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfektionen und Typhus zu erkranken. Außerdem steigt die Gefahr akuter Mangelernährung für Kinder, was Wachstumsstörungen und Entwicklungsverzögerungen zur Folge haben kann.  

Schlechte WASH-Bedingungen können sich auch negativ auf den Zugang zu Bildung auswirken. Kinder, vor allem Mädchen, verpassen die Schule, weil sie stattdessen Wasser für ihre Familien holen müssen. Das beeinträchtigt ihre Lernerfolge und kann langfristige Auswirkungen auf ihre Zukunftsaussichten haben. 

Die Bewältigung der Missstände im WASH-Bereich ist entscheidend für die Förderung von Gesundheit, Ernährung und Bildung sowie für die Verbesserung der Lebensqualität innerhalb von Gemeinden. Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und die Zivilbevölkerung müssen zusammenarbeiten, um den Zugang der Menschen zur WASH-Versorgung zu gewährleisten. 

A woman washes her hands at a handwashing station
Foto: Njouliaminche Zedou

 

Warum ist WASH so wichtig für die Gesundheit?

Krankheiten und Infektionen breiten sich in Gemeinden ohne Zugang zur WASH-Versorgung schnell aus. Ohne sauberes Trinkwasser erhöht sich die Verbreitung von durch Wasser übertragbare Krankheiten wie Cholera, Durchfall und Typhus. Unzureichende sanitäre Einrichtungen, wie z. B. fehlende Toiletten und Abwassersysteme, verschmutzen Umwelt und Wasserquellen und erhöhen die Verbreitung von Krankheiten wie Dysenterie und Hepatitis A.

Mangelnde Hygienepraktiken, wie z.B. unzureichendes Händewaschen, tragen zur Verbreitung von Infektionen bei. Außerdem kann der fehlende Zugang zu sauberem Wasser für die Hygiene und die Zubereitung von Lebensmitteln zu lebensmittelbedingten Krankheiten und Mangelernährung führen, besonders bei Kindern.

WASH-bedingte Krankheiten sind eine der führenden Ursachen von Kindersterblichkeit weltweit, wobei allein Diarrhö eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter 5 Jahren ist. Unzureichende WASH-Einrichtungen während der Geburt können das Risiko von Infektionen und Komplikationen für Mütter und Neugeborene erhöhen. 

Tanite Gelgelo, 30, nutzt die durch das WASH-Programm des IRC finanzierten Wasserhähne im Arfaide Health Center in Karat Woreda, um ihre Kleidung zu waschen.
Tanite Gelgelo, 30, nutzt einen der durch das IRC-WASH-Programm bereitgestellten Wasserhähne im Arfaide Health Center in Karat Woreda, um ihre Kleidung zu waschen.
Foto: Fahmo Mohammed/IRC

Außerdem können Gesundheitseinrichtungen, denen es an einer angemessenen WASH-Infrastruktur mangelt, zum Auslöser für Infektionen werden, und so die Qualität der Pflege beeinträchtigen und Patient*innen gefährden.    

Insgesamt gefährdet die fehlende WASH-Versorgung die öffentliche Gesundheit und verringert Produktivität und Wohlbefinden, da Menschen mehr Zeit damit verbringen, nach Wasserstellen zu suchen oder sich von Krankheiten zu erholen. 

Inwiefern ist WASH eine Geschlechterfrage?

Sauberes Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sind entscheidend für die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen. Leider betrifft es sie oft am meisten, keinen Zugang zu dieser grundlegenden Versorgung zu haben. Frauen und Mädchen sind in der Regel für das Wasserholen zuständig, einer zeitaufwändigen und körperlich anstrengenden Aufgabe, die sie davon abhält, die Zeit in Bildung und wirtschaftliche Möglichkeiten zu investieren. 

Nahar* (unten abgebildet) ist eine 28-jährige Hausfrau, die in der Küstenregion von Rangabali, Patuakhali, in Bangladesch lebt. Das Leben in einem katastrophenanfälligen Gebiet erschwert ihren Alltag.

Nahar und andere Frauen in ihrer Gemeinde müssen regelmäßig kilometerweite Strecken zurücklegen, um sauberes Trinkwasser zu holen. Die Familien in der Gegend sind bei alltäglichen Aufgaben wie Baden und Geschirrspülen auf schmutziges Wasser aus den Kanälen angewiesen.

Die weibliche Hygiene, insbesondere der Umgang mit der Menstruation, ist für Nahar eine große Herausforderung. Manchmal nimmt sie die Antibabypille, um ihre Menstruation hinauszuzögern, weil es vor Ort kein sauberes Wasser gibt.

Eine Frau wäscht sich die Hände
Nahar ist eine 28-jährige Hausfrau, die in der Küstenregion von Rangabali, Patuakhali, in Bangladesch lebt. Als Frau in einem katastrophenanfälligen Gebiet zu leben, erschwert ihren Alltag besonders. Die weibliche Hygiene, insbesondere der Umgang mit der Menstruation, ist für Nahar eine große Herausforderung. Manchmal nimmt sie die Antibabypille, um ihre Menstruation hinauszuzögern, weil es vor Ort kein sauberes Wasser gibt.

 

„Tropenstürme sind die häufigsten Naturkatastrophen hier. Ein Sturm hat das Abwassersystem unseres Hauses für mehrere Tage beschädigt. In solchen Zeiten ist der Umgang mit der Menstruation besonders schwierig“, erklärt sie.

Unzureichende WASH-Versorgung setzt Frauen und Mädchen einem größeren Risiko von Missbrauch, Krankheiten und Infektionen aus, insbesondere während der Menstruation und der Geburt. Ohne angemessene WASH-Einrichtungen müssen viele Frauen und Mädchen während der Menstruation auf unhygienische und unsichere Methoden zurückgreifen, was Infektionen und andere gesundheitlichen Folgen haben kann. Fehlende WASH-Einrichtungen in Schulen können außerdem Geschlechterungleichheiten in der Bildung weiter verstärken, wenn Mädchen während der Menstruation den Unterricht verpassen.

Der Mangel an geschlossenen und sicheren Toiletten erschwert Frauen den Alltag zusätzlich. Ohne angemessene sanitäre Einrichtungen sind Frauen und Mädchen gezwungen, offene Felder oder Büsche zu benutzen, was sie mehreren Gesundheits- und Sicherheitsrisiken aussetzt. Es steigt auch ihr Risiko, Opfer von Belästigungen und Übergriffen zu werden, besonders nachts. 

Der Zugang zu angemessenen WASH-Einrichtungen ist also entscheidend für die Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit von Frauen und Mädchen, die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung ihrer Rolle in vielen Lebensbereichen.

Mangelnder Zugagng zu WASH kann Folgen für Kinder haben

Das Grundrecht auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen ist für das Überleben jedes Kindes unabdingbar. Leider werden Kindern in Regionen, die mit lang anhaltenden Krisen und Konflikten konfrontiert sind, wie zum Beispiel Cox's Bazar, der Ukraine und Jemen diese Grundrechte verweigert. 

In fragilen und konfliktbetroffenen Gebieten fehlt oftmals der Zugang zu sauberem Wasser, weil Infrastrukturen beschädigt wurden, Rohrleitungen marode und Methoden zur Wassergewinnung unsicher sind. Dies führt zur Verbreitung von Krankheiten und stört den Betrieb von Schulen und Krankenhäusern.
 
Der begrenzte Zugang zu sauberem Wasser führt zu sozialer, wirtschaftlicher und politischer Instabilität. Diese Instabilität stellt eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben, die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern und ihren Gemeinden sowie für den Frieden und die Entwicklung insgesamt dar.

Über 800 Millionen Kinder leben in fragilen und von Konflikten betroffenen Gebieten, jedes zehnte davon unter extrem unsicheren Bedingungen. Bei Kindern unter 15 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, an durch Wasser und Abwasser übertragbare Krankheiten zu sterben, fast dreimal so hoch.

Zwei Kinder beim Wasserholen
Foto: Mustafa Saeed/IRC

 

Hindernisse bei der Bildung

Der Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene, kurz WASH, in Schulen, verbessert die Gesundheit und die Geschlechtergerechtigkeit, erhöht die Anwesenheitsquote der Schüler*innen und beeinflusst das Niveau ihrer Lernerfolge. 

Umgekehrt können unzureichende WASH-Einrichtungen in Schulen zu häufigen Fehlzeiten führen. Dies betrifft vor allem Mädchen, die aufgrund mangelnder Menstruationshygiene nicht zur Schule gehen können oder Wasser für ihre Familien holen müssen. 

Der Zugang zu sicheren, sauberen Sanitäranlagen für Mädchen muss gewährleistet sein. Ein sauberes und hygienisches Schulumfeld steigert die Effektivität beim Lernen und trägt dazu bei, dass Schüler*innen länger zur Schule gehen, insbesondere in gefährdeten Gemeinden.

Wie wirkt sich WASH auf die Ernährung aus?

Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene (WASH) können direkte Auswirkungen auf die Ernährung haben. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist von grundlegender Bedeutung, da verunreinigtes Wasser die Gefahr von durch Wasser übertragbaren Krankheiten erhöht, die wiederum Nährstoffverluste und Mangelernährung nach sich ziehen, insbesondere bei Kindern. Angemessene Sanitär- und Hygienepraktiken verhindern die Übertragung von Krankheiten, während unzureichende sanitäre Einrichtungen das Risiko von Infektionen erhöhen und so die Nährstoffversorgung beeinträchtigen können.

Sauberes Wasser ist für die Zubereitung von Lebensmitteln unerlässlich, und mangelnde Hygiene kann zu schlechterer Nährstoffversorgung aufgrund verringerter Lebensmittelsicherheit führen. Während des Stillens ist Hygiene entscheidend für die Gesundheit und Ernährung des Säuglings. Mehrfache Erkrankung aufgrund unzureichender WASH-Bedingungen können das Wachstum und die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen. Hygienische Gesundheitseinrichtungen sind für die Behandlung mangelernährter Menschen von entscheidender Bedeutung, da eine schlechte WASH-Versorgung zu Infektionen im Zusammenhang mit der Behandlung führen können, die den Gesundheitszustand weiter verschlechtern. 

In Somalia erleben Familien derzeit eine katastrophale Nahrungsmittelkrise. Dies ist die Folge einer schweren und langanhaltenden Dürreperiode und jahrzehntelanger Konflikte, die die Ernte zerstört und es Viehzüchter*innen fast unmöglich gemacht haben, an Futter für ihre Tiere zu gelangen.

Eine Mutter, die ihr Kind stillt
Halima ist Mutter von fünf Kindern. Sie verließen Bay im Jahr 2019 und leben seither in einem Lager für Binnenvertriebene, nachdem sie aufgrund der schweren Dürre und des Konflikts ihr Vieh verloren hatten und auf ihrem Hof nichts mehr anbauen konnten. Früher konnten sie von den Lebensmitteln leben, die sie auf ihrem Hof anbauten.
Foto: Mustafa Saeed/IRC

Früher lagerten Halima*, Mutter von fünf Kindern, und ihr Mann die Erträge aus der Regenzeit ein, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verwenden. Doch die Dürre hat ihre Erträge zunichtegemacht, sodass sie kaum genug Nahrung für ihre Familie auftreiben können.

Die anhaltende Dürre hat es für Familien wie die von Halima noch schwieriger gemacht, sauberes und sicheres Wasser zu finden. Um dieses Problem anzugehen, errichtete IRC vier Wasserstellen (Kioske) und eine 2000 Meter lange Wasserleitung im Lager Arlaadi. Diese Kioske bieten kostenlosen und fairen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Mit dem sauberen Wasser können Halima und ihre Familie unbesorgt trinken, kochen und baden.

„Bevor IRC diesen Zugang zum Wasser baute, war der Zustand unserer Kinder schlecht. Ihre Haut war rissig, Schmutz bedeckte ihre Körper. Wir hatten kein Wasser, um sie zu baden. Jetzt haben unsere Kinder strahlende, gesunde und schöne Haut.“

Halima träumt von einer Zukunft, in der ihre Kinder Zugang zu nahrhaften Mahlzeiten, guter Bildung und Möglichkeiten haben, sich trotz ihrer Notlage frei zu entwickeln.

„Es wäre für mich das Größte, wenn meine Kinder Fortschritte beim Lernen machen und genügend Essen bekommen würden, damit sie zur Schule gehen können. Solange sie dauernd Hunger haben, können sie nicht lernen.“

Wie IRC auf die WASH-Krise reagiert

International Rescue Committee (IRC) ist sich der Dringlichkeit bewusst, die Wasser-, Sanitär- und Hygiene (WASH)-Krise anzugehen, und hat eigens dafür ein Team zur Umweltgesundheit eingerichtet, damit WASH-bedingte Krankheiten verringert werden können. Der vielseitige Ansatz umfasst Nothilfe, die Zusammenarbeit mit Gemeinden und der Regierung, eine Programmausrichtung, die Menschen in den Mittelpunkt stellt, Maßnahmen zur Förderung der Hygiene und den Zugang zu grundlegender Versorgung.

IRC handelt in akuten Notsituationen schnell, indem WASH-Programme gestartet werden und lebensnotwendige Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung für betroffene Gemeinden bereitgestellt wird. IRC arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, um notwendige Wasser- und Sanitäranlagen zu errichten, und damit auf die wichtigsten Bedarfe zu reagieren.

Beim Übergang von Nothilfe zu Wiederaufbaumaßnahmen unterstützt IRC Gemeinden und die Regierung dabei, die verbesserte WASH-Versorgung zu verwalten und die Systeme weiterhin instandzuhalten. Partnerschaften mit Gemeinden zum Thema Klimawandel und Katastrophenrisikomanagement sichern die Verfügbarkeit von Ressourcen für das Überleben in einer sich verändernden Welt.

IRC-Programme zur Umweltgesundheit fördern aktiv sichere Hygienepraktiken und erreichen jährlich über drei Millionen Menschen durch Massenmedien und die direkte Einbindung der Gemeinden in Hygienemaßnahmen. Dazu gehören grundlegende Praktiken wie das Händewaschen und Desinfektion durch die Bereitstellung von grundlegenden Hygieneartikeln und Bargeldgutscheinen, sowie die ordnungsgemäße Abfallentsorgung, eine sichere Wasserwirtschaft und Menstruationshygiene.

Unterstütze WASH-Maßnahmen von IRC auf der ganzen Welt

Millionen von Familien fehlt es jedes Jahr am Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene. Organisationen wie IRC reagieren auf die unmittelbaren Bedarfe dieser Gemeinden und helfen ihnen, sich von Krisen zu erholen.

Unterstütze IRC mit einer Spende, um unsere Arbeit in mehr als 50 von Krisen betroffenen Ländern auf der ganzen Welt zu ermöglichen.  

*Nachname zum Schutz der Privatsphäre weggelassen