• Nur 15 Prozent der UN-Nachhaltigkeitsziele sind auf Kurs oder erreicht. Ein IRC-Bericht zeigt: In konfliktbetroffenen Ländern ist der Rückstand am größten.

  • Extreme Armut konzentriert sich in Konfliktkontexten. Mehr als ein Drittel der weltweit in Armut lebenden Menschen und ein Viertel der mangelernährten Kinder leben in den 20 Ländern auf der IRC Emergency Watchlist.

  • IRC fordert eine Neuausrichtung auf eine an Konflikten ausgerichtete Umsetzungsagenda und mehr Investitionen in bereits bewährte Ansätze wie Bargeldhilfen und eine vereinfachte Behandlung von Mangelernährung.

 Zur UN-Generalversammlung 2026 warnt International Rescue Committee (IRC): Die Umsetzung dreier zentraler Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs)– Armut, Hunger und Krankheit zu beenden – droht zu scheitern. Ein neuer IRC-Bericht, Globale Ziele für eine Welt in Konflikten, zeigt: In Konfliktkontexten wird zu wenig Fortschritt bei den SDGs erreicht, weil sie die Realitäten anhaltender Konflikte ausblenden. 

Die Warnung kommt inmitten der Ausweitung des Ebola-Ausbruchs, der Verschärfung des Konflikts in Jemen und einer Nahrungs- und Düngemittelkrise rund um die Straße von Hormus. Es gibt derzeit mehr aktive Konflikte als zu jedem anderen Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg.

„Konflikt und Fragilität sind die entscheidenden Faktoren, ob ein Nachhaltigkeitsziel erreicht wird oder scheitert", sagt David Miliband, Präsident und CEO von IRC. „Die menschlichen Kosten des Nichterreichens sind katastrophales Leid, das sich hätte verhindern lassen. Jetzt gilt es, die verbleibenden vier Jahre bis zur Frist 2030 zu nutzen: Fortschritte erzielen, zeigen, was wirkt, und die post-2030 Agenda von Anfang an mit der Realität in Konfliktgebieten vor Augen gestalten, statt als Nachtrag. Wenn die Agenda an den schwierigsten Orten der Welt greift, greift sie überall." 

Bewaffnete Konflikte höhlen die Systeme aus, auf denen die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beruht. Wenn diese Systeme geschwächt sind oder nicht funktionieren, schneiden sie Menschen von dringend notwendiger Unterstützung ab oder zwingen sie zur Flucht. Infolgedessen verlieren Familien den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit.

„In Zeiten globaler Fragmentierung und wachsender Ungleichheit müssen die UN-Nachhaltigkeitsziele der zentrale Leitfaden sein, um diese Kluft zu schließen. Deutschland war bereits in der Verhandlung der Agenda 2030 eine treibende Kraft und begleitet die Umsetzung auf höchster Ebene,” kommentiert Lena Görgen, IRC Deutschland Landesvertreterin. „Doch ausgerechnet jetzt auf der Zielgeraden, wenn Konflikte für immer mehr Menschen Rückschritt statt Fortschritt bedeuten, kürzt die Bundesregierung massiv bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. Das sendet das falsche Signal zu einem Zeitpunkt, an dem internationale Verlässlichkeit dringender ist als je zuvor. Ohne Investitionen in Konfliktregionen bleibt die Agenda 2030 ein Versprechen ohne Substanz.” 

Bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele liegen konfliktbetroffene Länder am weitesten zurück.   Bereits heute lebt mehr als ein Drittel der weltweit von extremer Armut Betroffenen in den 20 Ländern auf der IRC Emergency Watchlist; bis 2030 könnte es mehr als die Hälfte sein. Fast ein Viertel der weltweit akut mangelernährten Kinder lebt in diesen Ländern – die durchschnittliche Auszehrungsrate (Wasting) liegt dort mehr als doppelt so hoch wie anderswo. Infolge bewaffneter Konflikte wurde der globale Fortschritt in der Agenda 2030 bis 2021 um umgerechnet 18 Jahre verzögert. Viele fragile und konfliktbetroffene Staaten stehen inzwischen am Ende des SDG-Index.

Doch es gibt Lösungen. Es braucht mehr Investitionen in das, was in Krisen bereits nachweislich wirkt: Bargeldhilfen, die armutsbetroffene Familien beim Überleben und Wiederaufbau helfen; eine vereinfachte Behandlung von Mangelernährung – eines der größten Gesundheitsrisiken für Kinder in Konfliktgebieten –, die Kosten um 20 Prozent senkt; und flexible Bildungsmodelle, die bis 2030 fünf Millionen Kinder erreichen könnten, für nur 3,50 Euro pro Kind. Wo Regierungen ihre eigene Bevölkerung nicht erreichen können oder wollen, schließen humanitäre und lokale Organisationen bereits diese Lücke. Das aktuelle System ist jedoch nicht darauf ausgelegt, sie angemessen zu finanzieren.

IRC fordert einen neuen Umsetzungsrahmen für die post-2030 Agenda, der Konflikte ins Zentrum stellt: weniger Ziele, ein kürzerer Zeitrahmen und Finanzierungsmittel, die vorausschauend statt nur reaktiv bei Notlagen bereitgestellt werden. 

IRC empfiehlt folgende Zielmarken für 2035:

Die SDGs wurden 2015 von den UN-Mitgliedstaaten verabschiedet. Sie setzen eine Frist bis 2030, um extreme Armut, Hunger und vermeidbare Krankheit weltweit zu beenden.