Weltweit sind 117 Millionen Menschen auf der Flucht. Schätzungen zufolge werden es 2026 bis zu 136 Millionen sein. Gleichzeitig sinkt in vielen EU-Mitgliedstaaten die Bereitschaft, Geflüchtete zu schützen – auch in Deutschland. Nach Jahrzehnten in einer globalen Vorreiterrolle steht Deutschland an einem entscheidenden Wendepunkt. 

Mit dem Inkrafttreten des EU-Pakts für Migration und Asyl im Juni 2026 bietet sich Deutschland die Chance, ein humanes und funktionierendes Schutzsystem zu gestalten – und damit sowohl seine internationale Führungsrolle als auch seine innere Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Für ein Jahrzehnt hat Deutschland die meisten Asylsuchenden in der EU aufgenommen. Allein 2015 und 2016 kamen über eine Million Geflüchtete ins Land. Zudem erhielten mehr als 1,2 Millionen Menschen, die vor der russischen Invasion in der Ukraine flohen, vorübergehenden Schutz. Darüber hinaus zählt Deutschland zu den wichtigsten finanziellen Unterstützern des UNHCR und trägt eine prägende Rolle bei der Umsetzung des Globalen Flüchtlingspakts der Vereinten Nationen.

Das neue IRC Policy Briefing „Germany’s Opportunity to Reinvest in Refugee Protection” („Deutschlands Chance, den Schutz von Geflüchteten aufrechtzuerhalten”) zeigt vier wichtige Schritte auf, die die Bundesregierung jetzt unternehmen sollte. Ziel ist es, globale und nationale Schutzsysteme zu stärken, die wirtschaftliche und moralische Vorreiterrolle Deutschlands auszubauen und vor allem die Bedarfe schutzsuchender Menschen in den Mittelpunkt zu stellen:

  1. Sichere Zugangswege als humane und planbare Reaktion auf Vertreibung priorisieren
    Sichere Zugangswege – wie Resettlement, humanitäre Aufnahme, Relocation [Umsiedlung] und komplementäre Zugangswege – bieten eine humane und planbare Alternative zu gefährlichen Fluchtwegen.
  2. Inklusion und gesellschaftliche Partizipation von Geflüchteten fördern – zum Vorteil der Aufnahmeländer und der Schutzsuchenden
    Es ist erwiesen, dass Geflüchtete und Asylsuchende mit einem frühzeitigen Zugang zu Arbeit, Bildung und Dienstleistungen einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaft und Vitalität einer Gemeinschaft leisten. Integration ist eine langfristige Investition in gemeinsamen Wohlstand.
  3. Investitionen in eine humane Aufnahme und rechtsbasierte Verfahren
    Abschreckungsmaßnahmen gehen nicht auf die tatsächlichen Ursachen von Vertreibung ein. Stattdessen braucht es  erhöhte Aufnahmekapazitäten, effiziente  Bearbeitungssysteme und rechtsbasierte Verfahren. Das ermöglicht zeitnahe Entscheidungen, senkt langfristige Kosten und gewährleistet die Einhaltung der rechtlichen Verpflichtungen Deutschlands.
  4. Das  globale Schutzsystem für Geflüchtete stärken
    Angesichts weltweit knapper Ressourcen muss Deutschland seine globale Vorreiterrolle bei der Einhaltung des internationalen Rechts für Geflüchtete und der Finanzierung  globaler Schutzmechanismen beibehalten. Nur durch internationale  Verantwortungsteilung kann eine stabile, regelbasierte internationale Ordnung aufrechterhalten werden.

Lese in dem Bericht mehr zu den Empfehlungen an deutsche Entscheidungsträger*innen.