Medizinisches Notfallteam berichtet von erschütternden Verletzungen und Anzeichen von schwerer Unterernährung.

  • IRC und Medical Aid for Palestinians (MAP) behandeln Opfer der israelischen Bombardierung in Gaza.
  • Mit bisher mehr als 53.600 Verletzten stehen das Gesundheitssystem und das medizinische Personal in Gaza vor dem katastrophalen Zusammenbruch.
  • „Wir haben kleine Kinder mit den furchtbarsten Verbrennungen im Gesicht gesehen. Flure, Treppenhäuser, Empfangsbereiche, Stationen – auf jedem Quadratzentimeter des Krankenhauses liegen Menschen am Boden," sagt Professor Nick Maynard, Klinischer Leiter des Medizinischen Notfallteams.
  • Neben den Medizinischen Notfallteams arbeiten MAP und IRC zusammen, um die Krankenhäuser in Gaza mit lebenswichtigen medizinischen Gütern zu versorgen, unter anderem für die Behandlung von Traumata.
Lies unsere Stellungnahme vom 23. Februar

Gaza-Briefing

In Gaza kämpfen derzeit mehr als zwei Millionen palästinensische Zivilist*innen jeden Tag ums Überleben. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen bezeichnet dies als eine „humanitäre Katastrophe“. Hilfslieferungen von Ägypten nach Gaza haben begonnen: IRC leitet nach Einschätzung der Lage Maßnahmen ein, um den humanitären Bedarfen aufgrund des aktuellen Konflikts zu begegnen.

Was sind die größten humanitären Herausforderungen?

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten vom 7. Oktober 2023 und die Lage seither haben Tod und Zerstörung zur Folge. Tausende Kinder wurden getötet, Hunderte Geiseln befinden sich noch immer in Gefangenschaft, Dutzende humanitäre Helfer*innen wurden getötet und am 1. November 2023 wurde ein Geflüchtetenlager angegriffen.

Die Menschen in Gaza haben keinen Zugang zu Strom, Treibstoff, Lebensmitteln oder Wasser. Die Zivilbevölkerung kann aus dem Gebiet weder ein- noch ausreisen. Krankenhäuser in Gaza können das Ausmaß der Verletzungen kaum bewältigen und Vorräte fehlen. Da die Treibstoffreserven zur Neige gehen, sind Ärzt*innen und Pfleger*innen nicht mehr in der Lage, kranke und verletzte Menschen angemessen zu behandeln. Laut den Vereinten Nationen werden Eltern bald Lebensmittel und Wasser für ihre Kinder ausgehen.

Da 95 % der Bewohner*innen in Gaza keinen Zugang zu sauberem Wasser haben und 1,5 Millionen Menschen auf engstem Raum untergebracht sind, warnt IRC vor einem  drohenden Ausbruch von Infektionskrankheiten. Die Bewohner*innen in Gaza sind auf verunreinigte Wasserquellen angewiesen. Sie haben keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen und Hygieneprodukten, so dass sich durch Wasser übertragene Krankheiten wie Cholera und Typhus ausweiten werden. 

Hilfsorganisationen stoßen auf erhebliche Zugangsprobleme für die humanitäre Hilfe in und um Gaza. Diese Herausforderungen werden, durch die Kampfhandlungen, langsame und komplizierte Kontrollen am Grenzübergang Rafah sowie dem gefährlichen Mangel an Treibstoff verursacht. Berichten zufolge führen derzeit nur vier von 70 Organisationen, die vor der Eskalation in Gaza tätig waren, ihre Aktivitäten teilweise fort.

Wie hilft IRC?

Es muss unbedingt verhindert werden, dass es zu weiteren Todesfällen und menschlichem Leid für die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza kommt. Hilfslieferungen von Ägypten nach Gaza haben begonnen: IRC leitet nach Einschätzung der Lage Maßnahmen ein, um humanitären Bedarfen aufgrund des aktuellen Konflikts zu begegnen. Ein IRC-Team ist vor Ort in Ägypten und arbeitet zusammen mit Partnerorganisationen daran, Hilfsgüter zu liefern, maßgeschneiderte und spezialisierte Unterstützung in den Bereichen Gesundheit, Wasser und Sanitärversorgung (WASH) zu leisten, und den Schutz von Kindern und Frauen und psychosoziale Maßnahmen, zu gewährleisten.

Die Arbeit beruht auf Mechanismen , die IRC in anderen Krisenkontexten entwickelt hat. Durch engmaschiges Monitoring und sorgfältige Prüfungen stellen wir sicher, dass unsere Hilfe die Zivilbevölkerung erreicht, die sie am dringendsten benötigt.

Was muss jetzt getan werden?

IRC fordert dringend zu Folgendem auf: 

  • Gewährleistung von Hilfslieferungen durch einen humanitären Waffenstillstand 
  • Sofortige Freilassung von Geiseln
  • Finanzierung von humanitärer Hilfe und gesicherter Zugang zur betroffenen Zivilbevölkerung
  • Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts
  • Schutz der Zivilbevölkerung und humanitärer Helfer*innen

„Das humanitäre Leid in Gaza hat bereits katastrophale Ausmaße erreicht und wird sich verschärfen, wenn sich nicht sofort etwas ändert", sagt Bob Kitchen, IRC-Vizepräsident für Notfälle. „Auch wenn die anhaltende Gewalt und die Zerstörung die Hauptursachen für die hohe Sterblichkeitsrate sind, würde eine sofortige humanitäre Waffenruhe auch dazu beitragen, dass Hilfsorganisationen einer drohenden Gesundheitskrise innerhalb der ohnehin schon großen humanitären Krise zuvorkommen können."

Eine Unterbrechung der Kampfhandlungen muss auf bestimmte Art und Weise stattfinden, um Wirkung zu zeigen. Damit den Menschen wirklich geholfen werden kann, muss ein „humanitärer Waffenstillstand“ Folgendes beinhalten:

  • Uneingeschränkte Lieferung von humanitären Hilfsgütern nach Gaza.
  • Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und Sicherheit der humanitären Helfer*innen.
  • Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und Sicherheit für die Zivilbevölkerung, gerade wenn diese zusammenkommt, um humanitäre Hilfe und Versorgung zu erhalten.
  • Evakuierung von Kranken und Verwundeten innerhalb des Gebiets oder aus dem Gebiet heraus sowie zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung in Übereinstimmung mit dem Humanitären Völkerrecht.
  • Sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln.
  • Ein ausreichend langer Zeitraum, um die Umsetzung der genannten Maßnahmen zu ermöglichen. Die Lage vor Ort zeigt, dass dazu mindestens fünf Tage benötigt werden.

Erfahre mehr darüber, warum ein humanitärer Waffenstillstand für die Zivilbevölkerung in Gaza unabdingbar ist.