Die Netflix-Serie „Transatlantic“ erzählt die Geschichte, wie Varian Fry und das Emergency Rescue Committee während des Zweiten Weltkriegs Tausenden von Geflüchteten halfen, aus Frankreich zu fliehen. Erfahre mehr dazu, wie aus dieser Organisation International Rescue Committee (IRC) hervorging und wie wir seit fast 100 Jahren weltweit tätig sind und seit nunmehr zehn Jahren Geflüchtete in Deutschland unterstützen.

ALT TEXT

Die Anfänge von IRC

1933

Auf Initiative von Albert Einstein gründet sich der amerikanische Zweig der in Europa ansässigen Organisation International Relief Association (IRA). Ziel ist es, den vor dem NS-Regime fliehenden Deutschen zu helfen. Später werden auch Geflüchtete unterstützt, die vor dem Mussolini-Regime in Italien und dem Franco-Regime in Spanien fliehen.

Varian Fry leitete eine unglaublich komplexe und gefährliche Operation zur Rettung Tausender von Menschen aus dem von den Nazis kontrollierten Frankreich auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs.
Varian Fry in seinem Büro in Marseille, Frühling 1941. „Ich fühlte mich verpflichtet, zu helfen.“
Foto: Varian Fry Institute

1940

Mit dem Ziel, in Vichy-Frankreich festsitzende europäische Geflüchtete zu unterstützen, wird die Organisation Emergency Rescue Committee (ERC) gegründet. Innerhalb von 13 Monaten werden über 2.000 Menschen aus Politik, Kultur, Gewerkschaften und Wissenschaft gerettet.

1942

IRA und ERC fusionieren unter dem Namen „International Relief and Rescue Committee“ – später umbenannt in „International Rescue Committee“.

1945

Carel Sternberg, ehemaliger IRC-Geschäftsführer, besucht 1945 eine Lebensmittelausgabestelle in Berlin.
Carel Sternberg, ehemaliger IRC-Geschäftsführer, besucht 1945 eine Lebensmittelausgabestelle in Berlin.
Foto: IRC

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs initiiert IRC Nothilfeprogramme, richtet Krankenhäuser und Kinderzentren ein und beginnt mit dem Resettlement von Geflüchteten in Europa. Mit den wachsenden Spannungen zwischen den Westmächten und dem Ostblock startet IRC ein Resettlement-Programm für osteuropäische Geflüchtete, das bis zum Ende des Kalten Krieges fortgesetzt wird.

1950

IRC verstärkt die Hilfsmaßnahmen in Europa mit dem Projekt Berlin und versorgt die Bevölkerung West-Berlins mit Lebensmitteln angesichts der zunehmenden sowjetischen Unterdrückung.

1980

In Sudan startet IRC Nothilfeprogramme für Geflüchtete aus Äthiopien. Die Programmarbeit wird später ausgeweitet. Inzwischen bietet IRC ein ganzheitliches Wasser-, Sanitär- und Hygieneprogramm (WASH) in Sudan an. Dazu kommen Kinderschutzprogramme und umfassende Schutz- und Empowermentmaßnahmen für Frauen und Mädchen – einschließlich von Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt – sowie verschiedene Bargeldhilfsmaßnahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts der Menschen. Seit Beginn des jüngsten Konflikts passt IRC die humanitären Programme an und stockt sie auf, um den gestiegenen humanitären Bedarfen in Sudan gerecht zu werden.

IRC startet Nothilfeprogramme für afghanische Geflüchtete, die nach Pakistan fliehen. Daraus entstehen langfristige Programme in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Existenzsicherung und Berufsausbildung. 

1988

IRC startet Nothilfeprogramme sowie Wiederaufbau- und Rehabilitationsmaßnahmen in Afghanistan für afghanische Geflüchtete, die in ihre Heimat zurückkehren – IRC baut diese Arbeit später aus.

1989

IRC ruft die Women's Commission for Refugee Women and Children, später Women’s Refugee Commission, ins Leben. Die Organisation setzt sich für die Rechte und Interessen von Frauen und Kindern ein – einer Gruppe, die 80 Prozent der Geflüchteten weltweit ausmacht. 

2012

IRC beginnt, humanitäre Hilfe in Syrien für die Betroffenen des Bürgerkriegs bereitzustellen.

2015

IRC richtet auf der griechischen Insel Lesbos ein Notfallteam ein, um den Tausenden von syrischen Geflüchteten, die aus der Türkei eintreffen und vor dem brutalen Bürgerkrieg in ihrem Land fliehen, Hilfe zu leisten. IRC weitet die Arbeit bald auf mehrere Geflüchtetenlager auf dem griechischen Festland und in Serbien aus.

Heute ist IRC weltweit in mehr als 40 Ländern tätig und steht von Krieg und Krisen sowie vom Klimawandel betroffenen Menschen zur Seite, um ihr Überleben zu sichern und sie beim Wiederaufbau ihrer Existenz zu unterstützen.

IRC Deutschland

Mit Unterstützung institutioneller und privater Geberorganisationen unterstützen inzwischen 180 Mitarbeitende in Deutschland krisenbetroffene Menschen weltweit. In Deutschland selbst führt IRC gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen bundesweit Programme zur Teilhabe Schutzsuchender in den Bereichen BildungBeruf und Orientierung sowie Schutz, Teilhabe und Rechtsberatung durch. 

Menschen, die als Geflüchtete nach Deutschland kommen, bringen eine Vielzahl an Fähigkeiten und individuellen Stärken mit – sie zu fördern und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben, ist Ziel von IRC Deutschland. 

2016

IRC Deutschland wird gegründet. Im Vorfeld der Gründung führt IRC Gespräche mit zentralen deutschen Akteur*innen über Unterstützungsmöglichkeiten für Geflüchtete in Deutschland, insbesondere für Menschen, die im Zuge der großen Fluchtbewegung 2015/16 aus Syrien ankamen. 

2017

IRC wird in Deutschland operativ aktiv und etabliert erste Programme in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. An fünf deutschen Schulen läuft das Bildungsprogramm „Healing Classrooms“ an. Gleichzeitig startet das Projekt Berlin Kickt, das wöchentliches Fußballtraining in Schulen anbietet. Weitere Angebote zur Arbeitsmarktintegrationen, unter anderem in den Bereichen IT und Gastronomie, werden ins Leben gerufen. 

IRC beteiligt sich zudem an der Entwicklung bundesweiter Mindeststandards zum Schutz von Geflüchteten in Unterkünften und beginnt erste Advocacy-Arbeit – darunter die Kampagne #nichtvergessen, die mehr als 130.000 Unterschriften sammelt.

2018 

IRC baut erstmals ein eigenes privates Fundraising auf und entwickelt strukturierte Partnerschaften mit Unternehmen und Stiftungen. 

Bestehende Programme in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarktintegration und Schutz werden weiter ausgebaut. Mit der Förderung der IRC-Programmarbeit in Jemen durch das Auswärtige Amt erhält IRC erstmals öffentliche deutsche Fördermittel für internationale Programmarbeit. 

Zum ersten Mal findet der „Einstein Humanitarian Dialog“ statt. Damit ist eine neue politische Diskussionsreihe, bei der Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen über die Rolle Deutschlands bei der Bewältigung von humanitären Herausforderungen diskutieren, ins Leben gerufen. 

2019 

IRC weitet die Programmarbeit in Deutschland zur Unterstützung von Familien und Eltern auf Basis des „Families Make the Difference“-Ansatzes aus. 

2020

Als sich das Coronavirus weltweit ausbreitet, trifft es Menschen in Konflikt- und Krisenkontexten besonders hart. IRC-Hilfsmaßnahmen konzentrieren sich darauf, die weltweit am stärksten gefährdeten Gemeinden zu erreichen. Gleichzeitig passt IRC die laufende Programmarbeit in Deutschland schnell an die Pandemiebedingungen an – unter anderem durch digitale Lehrkräftefortbildungen, Online-Elterngruppen, Lernmaterialien und digitale IT-Kurse.

Trotz der pandemiebedingten Herausforderungen kann die Programmarbeit in Deutschland weiter ausgebaut werden: Mit dem Projekt “Huckepack” – einem vierwöchigen Lernprogramm in den Sommerferien – startet IRC ein Ferienangebot für geflüchtete Kinder. Unter anderem mit dem Start des Projekts Mädchen* Mischen Mit fördert IRC gezielt die Teilhabe von Mädchen*.

IRC erhält den Hidden Movers Award der Deloitte-Stiftung für die neue innovative Bildungsprojektidee „Play Your Rights“.

2021 

IRC ist seit 1988 in Afghanistan tätig. Infolge der Machtübernahme der Taliban evakuiert IRC Kolleg*innen aus Afghanistan und unterstützt afghanische Geflüchtete in Deutschland.

2022

Der Krieg in der Ukraine löst die größte Vertreibungskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus. IRC ist vor Ort in der Ukraine und den Nachbarländern im Einsatz und arbeitet mit Partnerorganisationen zusammen, um Menschen in Not zu unterstützen. Innerhalb nur eines Jahres erreicht IRC 2,7 Millionen Menschen mit lebenswichtiger persönlicher Unterstützung und Online-Informationsdiensten.

Auch die Programmarbeit in Deutschland wird erheblich ausgeweitet, um neu aus der Ukraine ankommende Menschen mit Angeboten in den Bereichen Bildung, Schutz, Arbeitsmarktorientierung und Integration zu unterstützen.

2023

Im Oktober 2023 startet die Hamas einen Angriff auf Südisrael, bei dem 1.200 Menschen getötet und über 200 als Geiseln genommen werden. Die folgenden israelischen Militäroperationen vernichten systematisch weite Teile der kritischen Infrastruktur und öffentlichen Grundversorgung in Gaza, sodass es in ganz Gaza keinen sicheren Ort mehr gibt. Laut OCHA und basierend auf den Statistiken des Gesundheitsministeriums in Gaza haben israelische Luftangriffe, Bombardierungen und Bodenkampfhandlungen inzwischen über 72.000 Palästinenser*innen getötet. IRC reagiert und leistet in Gaza und im Westjordanland humanitäre Hilfe, um Palästinenser*innen mit dringend benötigter Unterstützung zu versorgen. 

2024

Vielfältige Partnerschaften zählen zu den größten Prioritäten von IRC. Gemeinsam mit Partnerorganisationen entwickelt IRC innovative Lösungen für komplexe humanitäre Krisen – sie bringen ihre Expertise, ihre Netzwerke und den Zugang zu Klient*innen ein. Beim ersten IRC-Partnertreffen 2024 in Deutschland vertieft IRC den Austausch über diese wichtige Zusammenarbeit.

Mit dem Start zweier neuer Projekte baut IRC Deutschland die Programmarbeit im Bereich Schutz und Rechtsberatung aus: Das Projekt Lichtblicke bietet strukturelle sowie direkte Unterstützung für Asylsuchende und Geflüchtete, die von Menschenhandel und geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht oder betroffen sind. Mit dem Projekt Sicher Ankommen – Humanitäre Aufnahme zukunftsfähig ausbauen begleitet und unterstützt IRC Deutschland Schutzsuchende im Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan und anderen humanitären Zugangswegen.

2026 

Nach militärischen Eskalationen in weiten Teilen des Nahen Ostens wurde auch Libanon von der rapide eskalierenden Gewalt erfasst. IRC ist seit 2012 in Libanon tätig und arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen daran, auf die dringenden Bedarfe der vertriebenen Bevölkerung zu reagieren und humanitäre Hilfe zu leisten.

Das IRC-Projekt START- Selbstbestimmte Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt wird beim Wettbewerb „Zusammen wachsen – Gute Ideen für Integration am Arbeitsmarkt 2025“ ausgezeichnet. 

Mit der Auszeichnung der PHINEO-Wirkt-Siegels für den Healing-Classrooms-Ansatz erhält IRC eine weitere Auszeichnung in diesem Jahr.

Mit Blick nach Vorne – die nächsten 10 Jahren beginnen jetzt

IRC Deutschland wird in den nächsten 10 Jahren weiter daran arbeiten, bewährte Lösungen in nachhaltige Veränderungen zu übersetzen: Partnerschaften stärken, Chancen erweitern, Menschen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleiten.